Bacon Brothers

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Kevin Bacon & Michael Bacon im ZeitPunkt-Interview "Footloose", "Flatliners", "JFK", "Eine Frage der Ehre", "Apollo 13" - Kevin Bacon muß als Schauspieler niemandem mehr vorgestellt werden. Daß er aber nebenbei auch seit knapp 15 Jahren musikalisch unterwegs ist, ist den meisten hierzulande noch verborgen geblieben. Das soll sich ändern: die für Mai geplante Tournee mußte zwar zunächst wegen neuer Dreharbeiten ausfallen, aber ihr Album "New Years Day" hatten sie schon dabei, als sie für ein paar Tage kamen.
ZeitPunkt: Ist dies ein komplett neues Album - oder eine Zusammenstellung aus Euren bisherigen Werken?
Michael Bacon: Es ist unser letztes Album, das wir in Amerika bereits vor zwei Jahren veröffentlicht haben. Bislang waren wir kaum außerhalb Amerikas - nicht einmal in Kanada!
ZeitPunkt: Was ungewöhnlich ist!
Michael Bacon: Ja, wir hatten bislang z.B. auch noch kein Label hier in Europa, das an einer Veröffentlichung interessiert war, bis Hypertension kam. Sie riefen uns vor einem Jahr an und sagten, sie mögen unsere Musik, dann haben wir sie in New York getroffen - und jetzt sitzen wir hier.
ZeitPunkt: Also ist dieses Album besser als die letzten?
Michael Bacon: Hmm, ich weiß nicht. Es ist mein Lieblingsalbum, ja. Aber ich weiß nicht, ob das ein Maßstab ist. Wir haben in der Vergangenheit auch schon eine Menge toller Sachen gemacht, aber ich glaube als Ganzes ist dies unser bestes Album.
ZeitPunkt: Trotzdem ist es ja überraschend, daß man hier nie etwas von Euch gehört hat - hattet Ihr nie Hits, seid Ihr eher dieses "Albumband-Ding"?
Michael Bacon: Nee, einen Hit hatten wir nie, und dann ist es schon mal schwer, über die Grenzen bekannt zu werden. Außerdem waren wir für die ersten 2, 3 Alben bei einem Label, und seit ein paar Jahren kümmern wir uns viel mehr selbst um unsere Projekte - was nicht ganz risikolos ist, seine eigene Tour zu buchen usw., aber man hat es eben selber in der Hand. Und deswegen haben wir jetzt auch erst gesagt, daß wir mal nach Europa wollen.
ZeitPunkt: Allerdings sind Eure ersten Tourpläne leider gerade abgesagt worden - ich hoffe, ihr holt die nach!
Kevin Bacon: Das ist wirklich Pech. Wir machen diese Band seit 15 Jahren und planen ca. 60 Gigs im Jahr und das kriegen wir auch gerade so um unsere anderen Verpflichtungen hin. Wir haben kaum eine Show absagen müssen, aber ausgerechnet für diese Tournee sind mir Dreharbeiten dazwischengekommen, die ich nicht zurückstellen konnte. Aber wir wollen definitiv bei Euch spielen - also hoffen wir natürlich auf gute Resonanz auf die Veröffentlichung.
ZeitPunkt: Die Frage ist - wieviel Zeit habt Ihr und gebt Ihr euch, um es zu probieren, auch hier den Markt zu "knacken"?
Kevin Bacon: Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Tatsache ist, daß wir gerade auf einer Promotournee sind, die intensiver ist, als alles, was ich bislang für ein Album gemacht habe. Und natürlich wollen wir gerne auch das Publikum in Deutschland kennen lernen. Aber das läßt sich schwer planen. Wir werden kaum die Monate übers Land tingeln.
ZeitPunkt: Also doch eine Zeitfrage?
Kevin Bacon: Tatsache ist, daß wir in den USA oft auch an den Wochenenden spielen. Da fahren wir mal eben hin, und das geht sogar neben unseren anderen Verpflichtungen, das können wir über Monate parallel laufen lassen.
ZeitPunkt: Und das ist ausreichend? Inwieweit kannst du Dich auf diese zeitliche Planung einlassen, Michael?
Michael Bacon: Bei mir ist es gar nicht so anders. Ich bin Komponist für Film und Fernsehen und das ist meistens ein sehr Deadline-orientiertes Geschäft, das ist auch oft sehr kurzfristig sehr arbeitsintensiv, aber es klappt.
ZeitPunkt: Also ist es für Euch beide ein Seitenprojekt - aber ein wichtiges?
Kevin Bacon: Absolut! Man könnte es nicht besser formulieren.
ZeitPunkt: Das Witzige ist, daß Dein Gesicht für viele ohnehin mit Musik in Verbindung gebracht wird, aufgrund Deiner Rolle in "Footloose"! Hast Du die Rolle sogar bekommen, WEIL Du ein Musiker bist?
Kevin Bacon: Lustig, daß Du das sagst, weil ich in dem Film nichts gesungen oder geschrieben habe - aber natürlich war es eine Art Musikfilm. Ich glaube, ich habe - bis auf "Wahre Lügen"... - eine Ausnahme, die kaum jemand gesehen hat - noch gar keinen Musikfilm gemacht. Nein, da bin ich nicht als Musiker gecastet worden. Aber wir haben den Song mal mit Kenny Loggins gespielt!
ZeitPunkt: Spielt ihr den auch, wenn ihr unterwegs seid?
Kevin Bacon: Haben wir mal - aber wir haben ihn lange nicht gespielt. Wäre vielleicht mal wieder ein Aspekt, wenn wir hier sind...
ZeitPunkt: Ihr sagt, dieses Album ist schon zwei Jahre alt - gibt es also schon bald einen Nachfolger?
Kevin Bacon: Michael hat ein paar Songs geschrieben, aber ich bin noch gar nicht wieder dazu gekommen. Heute ist es ja so, daß wir eher für uns ein paar Ideen ausarbeiten und uns die dann zuschicken und wir dann gegenseitig Feedback geben, oder den weiter bearbeiten, und so wird der dann letztendlich "unser" Song.
ZeitPunkt: Inwieweit würdest Du sagen, spielt Deine Popularität eine Rolle für Euren Erfolg?
Kevin Bacon: Er hat gute und schlechte Seiten. Einerseits machen viele gleich zu, weil sie denken, ‚oh nein, noch einer dieser singenden Schauspieler und ‚jetzt will er auch noch ein Rockstar sein. Andererseits werden viele natürlich dadurch auch aufmerksam auf uns - wer würde sich sonst schon für eine Band namens "The Bacon Brothers" interessieren? Die kommen dann zu unseren Shows und dann ist es an uns, sie mit unserer Show zu überzeugen.
Ich denke, dadurch haben wir echte Probleme, ins Radio zu kommen, aber die Presse wird wiederum eher auf uns aufmerksam. Ich meine, wer weiß, ob wir sonst jetzt hier zusammen sitzen würden.
ZeitPunkt: Wohl wahr... Aber ist es nicht ungewöhnlich, ein weltbekannter Schauspieler und zuhause auch schon recht bekannter Musiker zu sein, und dann hier in Europa noch einmal neu anzufangen?
Kevin Bacon: Es fühlt sich nicht neu an, wir machen das ja schon so lange. Und auch wenn es eine neue Region ist, ist es doch derselbe Prozeß, Tourneeplanung, Interviews geben, Single veröffentlichen - das Übliche eben.
ZeitPunkt: Dann ist es noch mehr die Frage, warum jetzt - wahrscheinlich ja nicht des Geldes wegen.
Kevin Bacon: Es ist eine tolle Gelegenheit für uns, für die Band. Ich meine, wir waren ja immerhin schon in Japan, aber es ist toll, vor neuen Leuten zu spielen - und ich denke, es liegt im Naturell eines Musikers, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und mit der neuen Konstellation mit der Plattenfirma hier in Deutschland, schien es für uns an der Zeit! Es ist ja nicht so, daß man jeden Tag solche Angebote bekommt.
ZeitPunkt: Es gibt den Track "Wild Life" auf dem Album, der am Ende so einen Dreh hin zum Jam-Part kriegt - ist es das, was man von Euch live erwarten könnte?
Kevin Bacon: Nee, so was tun wir eigentlich gar nicht. Was wir gemacht haben, war, daß die Bandmitglieder sich Songs vorgenommen haben, die sie produzieren wollten. Und Ira (Siegel), unser Gitarrist, nahm sich "Wild Life" und fragte, ob wir da am Ende nicht Samples von allen anderen Stücken des Albums einspielen wollen - und das haben wir gemacht. Es ist also eher ungewöhnlich für uns. Wir haben einen Song am Ende unseres Sets, der ist richtig lang, der geht einfach immer weiter, aber der ist nicht auf dem neuen Album.
ZeitPunkt: Wenn also Jamming kein Teil Eurer Musik ist - wohin verortet ihr Euch denn musikalisch?
Michael Bacon: Ich höre viel von Folk, World Music, Jazz, Klassik, deswegen glaube ich, ist unser Sound auch sehr abwechslungsreich.
ZeitPunkt: Ist er das?
Kevin Bacon: Hier, ich zeige Dir, was wir vorhin an die Tafel geschrieben haben, um das definieren zu können: FoRoSoCo - steht für Folk, Rock, Soul und Country. Das war schon immer unsere Antwort, wenn wir gefragt wurden, welchen Sound wir machen. Forosoco - ganz einfach!

