Black Crowes

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Der Melody Maker nannte sie "The Most Rock‘n Roll Band in the World": Die Black Crowes ziehen seit gut zwanzig Jahren ihr eigenes Ding durch, anfangs auch hier in Europa mit großem Erfolg, mittlerweile hört man nur noch vereinzelt von den Brüdern Chris und Rich Robinson. Was schade ist, wenn man z.B. das neue Album "Before The Frost" hört. Genauso faszinierend wie seine Songs ist auch die Entstehungsgeschichte des Albums. ZeitPunkt-Redakteur Ralf Koch sprach mit dem Mann, der allen Besetzungswechseln zum Trotz immer Begleiter der Robinsons in der Band war, Drummer Steve Gorman.
ZeitPunkt: Nennst Du "Before The Frost" Studio- oder Live-Album?
Steve Gorman: Hmm, gute Frage, es ist im Prinzip beides. Es ist das neue Black Crowes-Album, aber wir haben es in einer Live-ähnlichen Situation im Studio aufgenommen. Wir nennen es nicht "Live-Album", weil es keine Live-Situation war.
ZeitPunkt: Wie entstand die Idee?
Steve Gorman: Unsere erste Idee war, ein paar Dutzend Fans ins Studio einzuladen, um sie bei der Aufnahmesession dabei sein zu lassen, sie über unsere Schultern gucken zu lassen. Wir dachten, es würde der Energie des Albums gut tun und dann war Chris in der Scheune von Levon Helm, der spielt Shows vor 200 Leuten da, aber es ist auch ein Aufnahmestudio. Und ab da nahm die Idee schnell konkrete Formen an.
ZeitPunkt: Also hattet Ihr 200 Leute bei Euren Albumaufnahmen dabei... wie habt Ihr sie dazu gekriegt, während der Songs so ruhig zu sein?
Steve Gorman: Die Fans kamen und wußten nicht, was sie erwartete. Also erklärte Chris ihnen, sie sollten sich entspannen, zuschauen, ihre Handys ausmachen und einfach warten, bis wir einen Song fertig hätten. Wir hatten fünf verschiedene Aufnahmesessions innerhalb von drei Wochen und fünf verschiedene Zuschauergruppen, aber irgendwie war es fünf Mal der gleiche Vibe. Die Leute waren alles Fans, die uns schon dutzend Male gesehen hatten, aber dieses Mal war es anders. Wir waren nur ein paar Jungs, die auf ihren Stühlen in einer Ecke des Raumes saßen, es war leiser, weil ja die Verstärker auch nicht so laut sind, und wir haben einen Song gespielt. Wenn wir fertig waren, kam der Aufnahmeleiter zu uns und sagte, ja, das war gut, laß uns einen weiteren Song ausprobieren, oder er sagte, das war jetzt ein bißchen komisch im Mittelteil, es schien, ihr habt vergessen, wie der Song ging, und wir sagten, okay, laß es uns noch mal probieren. Oder eine Saite riß, oder jemand vergaß, wie der Song weiterging, also stoppten wir - und lachten einfach. Und nach ein paar Unterbrechungen hatte sich das Publikum daran gewöhnt.
ZeitPunkt: Ihr habt also nicht alle Songs an jedem Abend gespielt?
Steve Gorman: Nein, wir haben nur ca. 10 Songs pro Abend aufgenommen, oder besser gesagt 12 pro Wochenende, also am Freitag und am Samstag noch einmal. Und am folgenden Wochenende hatten wir ein komplett anderes Programm. Und am dritten Wochenende hatten wir nur den Samstag, aber wiederum ein komplett anderes Set.
ZeitPunkt: Und dann habt Ihr die besten ausgewählt.
Steve Gorman: Ja, wir haben so viele Songs aufgenommen wie möglich und sind dann das Ganze noch einmal durchgegangen. Teilweise gab es fünf Versionen von einem Song. Da mußten wir dann erst einmal auswählen, welche Version die beste war.
ZeitPunkt: Und ihr hattet alle Songs fertig geschrieben, bevor Ihr das erste Set gespielt habt?
Steve Gorman: Chris und Rich hatten sich zwei Wochen vor der ersten Show mit unserem Produzenten Paul Stacey getroffen und haben über die neuen Songs gesprochen, die sie in den letzten Monaten geschrieben hatten. Und in dieser Woche stellten sie eine Art Set zusammen, dann kam die Band zusammen und wir gingen das Ganze noch einmal für ungefähr eine Woche zusammen durch, und dann spielten sie live.
ZeitPunkt: Das heißt, Ihr kanntet die Songs noch nicht unbedingt so gut?
Steve Gorman: Nein, sie waren immer noch ziemlich neu für uns. Und so kam es auch während der Shows immer wieder vor, daß wir erst einmal überlegen mußten, wie es weitergeht, bzw. über welchen Song wir überhaupt sprechen, à la "Ist das der Song mit dem Solo am Ende und dem Break in der Mitte oder der mit dem Doppelchorus" etc.
ZeitPunkt: Das Album kommt als Single-CD in die Läden, aber es gibt eine zweite CD, die man downloaden kann - was ist die Idee dahinter?
Steve Gorman: Das ist eine einfache Kostenrechnung. Wir wollten unser Album so günstig wie möglich machen - mit so vielen Songs wie möglich. Wie also besser 20 Songs an den Mann bringen? Außerdem ist es bei dem zweiten Album so, daß es einige Songs darauf gibt, über die der gelegentliche Black Crowes-Hörer vielleicht etwas überrascht wäre, Bluegrass-Songs, einen Country-Song, verschiedene Sachen. Also war es für uns logisch, ein "einfacheres" Album zu veröffentlichen und die anderen Songs kostenlos zum Download anzubieten, damit die Leute, die sich das Album kaufen, erst einmal ein gutes Gefühl haben mit den Songs, die sie haben.
ZeitPunkt: Nochmal kurz zurück in der Geschichte - Ihr habt die Band 2001 auf Eis gelegt, weißt Du noch warum?
Steve Gorman: Klar, wir sind uns auf den Sack gegangen. Ich hab die Band verlassen. Wir waren erschöpft, ausgebrannt. Von 1987 bis 2001 haben wir nichts anderes als die Band gemacht, wir haben sie gegründet, sind endlos getourt, für Chris, Rich und mich drehte sich alles nur um die Band. Wir hätten einfach mal eine Pause machen sollen. Ich meine, heute läßt sich das leicht sagen, aber damals war das mit viel Schmerz verbunden, diese Band zu verlassen. Ich dachte, das wars, und es dauerte vier Jahre, bis wir alle erkannten, daß wir diese Band wollen und weitermachen können.
ZeitPunkt: Auf www.liveblackcrowes.com bietet ihr ja komplette Live-Shows an.
Steve Gorman: Ja, es besteht einfach der Bedarf dafür. Ich meine, viele Leute nehmen sich das auch selber auf und wir haben das auch immer erlaubt. Es gibt auch Leute, die kommen zu 50 Shows im Jahr und große Tausch-Gemeinden für diese Tapes. Das macht eben auch erst Sinn, weil jedes unserer Konzerte ein wenig anders ist. Und die Konzerte, die wir zum Download anbieten sind in Top Soundqualität. Wir haben immer schon erlaubt, daß die Leute unsere Konzerte mitschneiden, manche flippen da total aus, aber das war nie unsere Einstellung. Wer auf unser Konzert kommt, hat die CD längst gekauft.
ZeitPunkt: Das mag so gewesen sein, mittlerweile wäre ich mir da nicht mehr so sicher...
Steve Gorman: Das Downloadproblem ist ein ganz anderes. Das hat mich auch anfangs mal aufgeregt, aber so ist es heute. Zeiten ändern sich. Und denen jetzt hinterherzulaufen ist doch auch lächerlich. Ich meine, manche Bands haben ihre eigenen Fans verurteilt, das ist doch so absurd, als wenn man eine Regenwolke verurteilen wollte. Versteh mich nicht falsch: ich würde mich freuen, wenn jeder unser Album kaufen würde, aber so ist es nun einmal nicht.
ZeitPunkt: Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ihr nach Eurer Reunion (2005) ein Album ("Warpaint", 2008) veröffentlicht habt - warum?
Steve Gorman: Weil es uns zunächst nicht sinnvoll erschien. Wir hatten viel live gespielt, aber wir hatten noch keine neue Richtung gefunden. Wir wußten noch gar nicht, wie die Band weitergehen würde, und wollten noch nichts aufnehmen, bevor es nicht auch für uns aufregend und belebend genug war. Wir hatten es einfach nicht eilig, weil wir etwas Vernünftiges machen wollten. Und als wir das erst einmal geschafft hatten, waren wir auch in der Lage, wieder nach vorne zu schauen. Es hängt viel von der richtigen Stimmung in einer Band ab, man kann da nichts forcieren, manchmal muß man auch einfach abwarten können. Und erst als sich dieses Gefühl einstellte, wußten wir auch, daß es jetzt wieder vorangeht.

