Schon zum dritten Mal kann man in dem neuen Roman von Lisa Lutz "Twist Again – Familie Spellman schlägt zurück" (Verlag Rütten & Loening) dem herrlichen Familientriumvirat um die Teenagerin Rae Spellman, ihre beiden großen Geschwister sowie die Frau Mama und den Herrn Papa, kurz die Familie Spellman, begegnen. Ihr aller Geschäft ist die Spionage, der sie sich per Familienbetrieb durchaus erfolgreich widmen und dieses Mal geht es um die Beschattung der Ehefrau des neuen Auftraggebers, die es vermutlich mit der Treue nicht so genau nimmt.

Oder stecken da etwa noch ganz andere Dinge dahinter? Nicht nur die Lösung selbst sondern vor allem der wunderbar kurzweilige Weg dorthin mit all den durchgeknallten und herrlich schrägen Spellmans garantiert für einen ungeheuren Lesespaß und man darf das Geschehen keinesfalls allzu ernst nehmen, wenn sich die Familienmitglieder gelegentlich gegenseitig ausstechen. Pure Lachtränengarantie!

 

Nach seinem autobiographischen Text "DJ Westradio" hat der Leipziger Autor Sascha Lange nun einen Roman geschrieben. "Das wird mein Jahr" (Aufbau Taschenbuch Verlag) ist die in 19 Kapitel aufgeteilte Geschichte des jungen Leipzigers Friedemann, der im Jahr der Wende seine erste große Liebe findet, sie wieder verliert, in den Westen reist und wieder zurückkommt und während dieser bewegten Zeit erwachsen wird. Die Kapitelüberschriften sind Songtexten entliehen, bekannten und weniger bekannten und stehen für die Liebe von Friedemann, die sich schon zu dieser Zeit erfüllt: die Rockmusik. Behutsam und mit viel Humor begleitet Sascha Lange seinen Protagonisten durch ein ganz sicher nicht untypisches ostdeutsches Leben in dieser Zeit.

Er schildert die verhinderte Flucht über Ungarn und dann die verhinderte Liebe, den Umzug nach Westdeutschland, das Intermezzo als Gärtner und Hausfrauenfreund und schließlich als Hanf-Anbauer und Verbraucher, die nachfolgende erzwungene Flucht zurück in die ostdeutsche Heimat und zwischendrin immer wieder die Sehnsüchte der Wendejugend. Langes Stimme ist herrlich frisch und unverbraucht und ganz sicher wird das ihm innewohnende schriftstellerische Potential den Lesern noch so manches schöne Buch schenken.

 

Ach was macht es doch für einen unbändigen Spaß, Streiche und Blödsinn auszuhecken, die Umsetzung zu planen und dann auch noch auszuführen. Tränen kann man da Lachen und sich laut jubelnd auf die Schenkel klopfen, wenn die Aktion gelungen ist und sich aufmachen zum nächsten Schabernack. Wem die Ideen ausgehen oder wer einfach mal neugierig darauf ist, was es so alles an Ideen gibt oder ob der Streich, den er früher dem Lehrer oder den sie der besten Freundin gespielt hat, auch heute noch up to date ist, der findet bei Sybille Hein in "Das Streiche Strolche Quatsch Buch" jetzt sein gar lustig bebildertes Nachschlagewerk für den täglichen Gebrauch.

Im handlichen Format und mit wunderbaren farbenfrohen Bildern der Autorin versehen, sowie buchkünstlerisch peppig gestaltet und mit abgerundeten Ecken versehen, ist das Buch bei Beltz & Gelberg erschienen und darf generationsübergreifend allen zwischen 6 und 99 Jahren empfohlen werden. Wer es jedoch verschenkt, muß sich ganz sicher gefaßt darauf machen, einen Streich zu kassieren. Ist aber nicht schlimm, denn man kann sich ja ganz wunderbar mit einem köstlichen Gegenstreich dafür revanchieren.

Also Buch besorgen, aufschlagen, nach Herzenslust Türen schlagen, Quatschzettel verteilen, Stinkbomben und Juckpulver herstellen, Nasenstupser und Küsse verteilen und dann einfach nur schauen, was man davon hat. Einfach wunderbar.

 

Deutschen Karikaturisten der letzten 60 Jahre ist die beim Verlag Antje Kunstmann neu erscheinende Reihe "Meister der komischen Kunst – Die Bibliothek" gewidmet und gleich zu Beginn kann man zwei auch heute noch sehr aktiven und namhaften Vertreter der Szene begegnen, Gerhard Glück und Ernst Kahl. Gerhard Glück, der zunächst neben seinem Lehrerjob Cartoons zu veröffentlichen begann, kann sich nun schon seit Jahren allein auf seine Kunst konzentrieren und ist durch seine oft farbenfrohen und exakt aus dem wahren Leben übernommenen Zeichnungen vielen kein Unbekannter mehr.

Seine Werke benötigen nicht viele Worte und skizzieren doch immer in aller Ausführlichkeit eine Situation, die jedem Betrachter schon irgendwo einmal begegnet ist. Egal, ob nun mitten im Leben oder kurz vorm Tod, ob Menschenansammlungen oder Einzelgänger, ob Künstler, Kind oder beides, immer macht Gerhard Glück glücklich mit seiner Sicht der Dinge, die niemals verletzt sondern immer mit viel Respekt und doch köstlichem Witz einhergeht. Etwas für die ganze Familie! Ernst Kahl liebt in seinen teils bitterbösen Bildern die Übertreibung und geht mit seinem energischen Strich weit über Andeutungen hinaus. Pervers und bestialisch sind bei ihm keine Schimpfworte sondern Mittel zum Zweck, nämlich die Seiten menschlicher Abstrusität und Phantasie darzustellen, über die sonst niemand zu sprechen wagt.

Genau das gelingt Kahl in seinen unverwechselbaren Bildergeschichten oder Cartoons mit wahrer Bravour und wer ihm einmal verfallen ist, der wird ihn immer mögen. Nichts für zarte Seelchen! Die neue Bibliothek über die Meister der komischen Kunst ist mit interessanten Informationen und einem Interview mit dem jeweils vorgestellten Künstler angereichert und glänzt durch hervorragende Druckqualität auf feinem Papier. Da darf man auf Loriot, Deix, Schwalme, Hurzlmeier, Sowa, Bofinger und all die anderen angekündigten Meister schon wirklich gespannt sein.


Die ZeitPunkt-Literaturkolumne von André Hanke