Chic im Osten – Mode in der DDR von Ute Scheffler

© Buch-Verlag für die Frau

Als vor ein paar Jahren ein Ostalgie-Hype durch Deutschlands private Fernsehsender ging, waren Begriffe wie "Einheitsgrau" und "Konformität" in aller Munde. Mit solchen (von kapitalistischen Republikfeinden in Umlauf gebrachten) Klischees räumt Autorin Ute Scheffler zumindest im Bereich der Mode auf: "Es ist einfach irrig anzunehmen, die Frauen [...] im Osten hätten sich nicht darum gekümmert, wie sie aussahen. Sie waren Frauen!"

Und tatsächlich zeichnet Scheffler ein Bild der ostdeutschen Mode, dass abwechslungsreicher und vielfältiger sein dürfte, als die Mode im Westen es war – schließlich war das, was von den Modekombinaten ausgegeben wurde, in der Tat "konform". Daher mussten die findigen Genossinnen selbst ans Werk und erschufen an der heimischen Nähmaschine mit Hilfe von Sybille, Pramo und "Modische Maschen" ein Unikat nach dem anderen.

Pressestimmen und Zeitzeugen gewähren Einblicke in die Zeit, als die Jeans noch Symbol des Widerstandes war und es Badeanzüge aus Wolle gab, und Abendkleider aus Papier. Aber auch vom internationalen Einfluß auf die sozialistischen Modemacher, vom Traumberuf Mannequin und dem Geheimtipp "Moda Polska" weiß Scheffler zu erzählen. Als "Bonbon" gibt es zu jedem Jahrzehnt ein Schnittmuster zum Nachschneidern.

Für westdeutsche Frauen ein horizonterweiterndes Sachbuch, für ostdeutsche Frauen ein Ausflug in die eigene Vergangenheit. In jedem Fall lesenswert!

Verlag: Buch-Verlag für die Frau