Christoph Mayr: Vom Nörgelkönig zum Puppenhausbauer

- © Christoph Mayr
Hinter der Theke in der Druckstatt auf der Karl-Heine-Straße steht meist Christoph Mayr. Wenn man ihn so sieht, denkt der Kaffee- und Druckinteressierte: "Schmucker Mann, nett auch." Da ist aber natürlich viel mehr dahinter. Christoph war viele Jahre in der Modeund Werbefotografie eine angesagte Größe, Hamburg lag ihm zu Füßen. "Vor drei Jahren habe ich mich dann entschlossen, rüber zu machen. Der Westen erschien mir satt und unbeweglich. Hier sah ich Möglichkeiten, mein Leben noch selbst gestalten zu können."
So fotografiert er auch in Leipzig weiter: sinnlich-erotisch hauptsächlich und mit seinem Job in der Druckstatt: "Habe ich genug zum Leben und kann mich neuen Visionen widmen." Die ganz neue Vision ist hölzern und irgendwie scheinbar komisch: "Genau, Puppenhäuser, klingt komisch, ist es aber nicht. Ich bin ein optischer Mensch und ich liebe Architektur und Räume. Obendrauf bin ich auch noch Romantiker."
Und weiter erzählt Christoph: "Nachdem ich letzten Winter auf dem Höhepunkt einer Fotografie-Depression angelangt war, habe ich einfach ein Haus gebaut. Das habe ich nun weiterentwickelt und daraus eine hübsche Kollektion gemacht. Mein Anspruch war, etwas Gutes zu schaffen, etwas Gutes, wie früher." Dazu schmunzelt er. "Ein Puppenhaus zum Vererben. Ich bin nämlich ein Nörgelkönig und unheimlich genervt, dass alles nach zwei Jahren kaputtgeht. Also steht für mich neben dem Aussehen auch Qualität und Stabilität an oberster Stelle. Und dazu sind's alles Einzelstücke."
Zu sehen sind die ersten Häuser demnächst im "Wildwechsel" gegenüber der Druckstatt und in Läden in Connewitz, Plagwitz, Schleußig und im Waldstraßenviertel. Und der Christoph ist dann trotzdem weiterhin hinter der Theke zu sehen, freundlich, etwas stiller als andere, aber voller Visionen.
von Volly Tanner

