Das Barfußgässchen: Schlemmen und amüsieren auf 150 Metern

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Wer in Leipzig die am dichtesten bevölkerte Region sucht, der begebe sich ins Barfußgässchen, denn hierher zieht es magisch alle, die sowohl kulinarisch als auch in puncto Unterhaltung etwas erleben wollen. Rund ein Dutzend Lokale aller Art teilen sich die knapp bemessene Fläche in und vor der historischen Häuserkulisse.
Hier hat das Gastgewerbe Lipsias eine jahrhundertelange Tradition, angeführt von Zill’s Tunnel. Jedenfalls stand an dieser Stelle bereits 1785 ein Wirtshaus. Ab 1841 hieß es Biertunnel, weil das gastliche Haus mit einem steinernen Gewölbe befestigt wurde. Ein Wirt namens Zill übernahm den soliden Bau. 1888 wurde wieder gebaut und das Bürgerhaus erhielt sein heutiges Aussehen; zuletzt wurde es zur Jahrtausendwende gründlich restauriert.
Heute erwarten den Gast eine typisch sächsische Küche und ebensolche Getränke in gediegener Atmosphäre. Gemütlich wird es dank der baulichen Trennung in mehrere Stuben. Mit 65 Sitzplätzen bietet die Bierstube den meisten Raum, die sogenannte Große Stube und die Weinstube folgen, Erkerstube und Klosterstube mit Plätzen für je 25 Personen empfehlen sich besonders für kleine Feiern. In den anderen Lokalitäten spielt die Leipziger Historie keine Rolle, es wird vielmehr Wert auf Einmaligkeit und Originalität gelegt. Der süditalienischen Küche verschrieben hat sich das Ristorante Dolce Vita, süditalienische Gastlichkeit inbegriffen.
Gastkommentare im Web widersprechen diesem hohen Anspruch auch keinesfalls, leckeres Essen zu moderaten Preisen und entspannte Atmosphäre werden gelobt. Italienisch geht es auch in der Osteria Don Camillo & Peppone zu. Ristorante, Pizzeria und Café in einem, wird auf der Homepage insbesondere auf die Organisation spezieller Partys verwiesen: Roma-, Hummer- oder Barockparty. Der Name "Bellini’s" hat durchaus auch italienische Wurzeln, im Web ist allerdings die Rede von Cocktailbar mit breitem Speisenangebot von mariniertem Hering bis zum Rumpsteak in Varianten.
Irisch geht es zu im Kildare City Pub, einem Lokal mit insgesamt 250 Sitzplätzen in landestypischem Ambiente, wo es frisches Guinnes, irischen Whiskey und Roastbeef gibt. Große Portionen, ein leckeres Mittagsangebot zu moderaten Preisen und die schnelle, freundliche Bedienung werden von den Gästen in den Internet-Restaurantführern besonders hervorgehoben. Geschwärmt wurde auch von der Möglichkeit, hier in aller Ruhe Fußballmatches auf dem Bildschirm verfolgen zu können. Außerdem soll es eine Raucherlounge mit Bar und musikalischer Untermalung geben.
Und wo sogar "Zigarre" draußen draufsteht, da kann man auch drinnen aus einem exklusiven Angebot an Zigarren wählen. Der Raucherbereich der als Bar und Restaurant mit deutscher Küche näher charakterisierten Lokalität liegt im Kellergewölbe. Das Kartoffelhaus No. 1 charakterisiert sich selbst als Cdas total unmögliche Wirtshaus". Gegen das Speisen und Getränkeangebot hat im Web kaum jemand Beschwerde eingelegt, nicht gefallen haben manchen selbst ernannten Restaurantkritikern allerdings die langen Wartezeiten und Anzeichen von Überforderung des Personals bei all dem täglichen Trubel.
Das Café Sacharow halten die Gäste, die im Anschluss an ihren Besuch öffentlich im Web ihre Einschätzung abgaben, für sehr stilvoll, aber auch etwas teuer. Über die Disco Pflaumenbaum ließen sich sehr gemischte Kommentare finden – von "nie wieder" bis "man kann hier prima feiern". Das 100 Wasser, Café, Kneipe, Bar und Restaurant in einem und im typischen Stil des berühmten Wiener Künstlers eingerichtet, wird für seinen sonntäglichen Brunch ausnehmend gelobt. Auf der Website kann man sich auch über Events informieren, leider endet der Kalender im Jahr 2009. Beklagt wurde von Besuchern die Enge im Saal – was aber sicher besser ist als gähnende Leere. Übrigens gibt es auch Frühstück, das bietet sonst kaum noch ein Lokal hier.
Einer Lokalität gab das schmale und kurze Leipziger Gässchen sogar seinen Namen: dem Barfusz, einem Café- Restaurant mit Kabarett und gelegentlichen Livekonzerten (am 27. Oktober ist Bobby Long mit seiner Musik aus Blues, Folk und Pop angesagt). Das Barfusz, mitunter auch getrennt "Bar Fusz" geschrieben, bietet auf drei Etagen internationale Küche. Zu ebener Erde hat ein großes Restaurant mit stattlicher Bar, das sich über die Hausnummern 2 bis 8 erstreckt, seine Türen geöffnet. Der Barfusz-Club liegt im Keller, kann für Partys gemietet werden. Im Obergeschoss kann man es sich auf den Sofas in der Galerie besonders gemütlich machen. Wenn man die Treppe noch weiter geht, landet man im Central Kabarett, wo Meigl Hoffmann als "Chef de pointe" residiert.
Pardon, falls noch nicht alle Lokalitäten Erwähnung fanden. Nicht unerwähnt bleiben darf das Spizz, obwohl seine offizielle Adresse "Am Markt 9" lautet. Es führt vom Marktplatz aus quasi ins Gässchen hinein. Das Restaurant mit seinem Keller ist für die Szene einer der beliebtesten Treffs, bekannte Musikgrößen des Jazz, Funk und Boogie geben sich hier die Klinke in die Hand. An jedem Mittwochabend kann bei freiem Eintritt die Piano Boogie Night genossen werden, Freitagund Sonnabendnacht gehört der Keller den Diskobesuchern. Auch hier gibt’s Frühstück, und das sogar bis 18 Uhr.
von Margitta Pötzsch
Unsere neue Serie "Die Leipziger Kneipenmeilen" finden Sie ab jetzt in den kommenden Zeitschriften wieder.

