Das Kabinett des Dr. Parnassus

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Genial gerettet -  Was hat dieser Mann nicht schon alles erleben müssen während der Dreharbeiten? Sandstürme, reitende Hauptdarsteller mit Hüftleiden, weggeblasene Sets - immer waren seine Filme kurz vorm Scheitern. Kein Wunder, daß Terry Gilliam spätestens seit der grandiosen Dokumentation "Lost in La Mancha" über das Desaster seines Don Quixote-Projekts in der Branche als "Captain Chaos" bekannt ist. Doch immer wieder gelang es ihm, das Chaos zu bändigen. Was aber, wenn der Hauptdarsteller stirbt?

Als Heath Ledger verstarb, war "Das Kabinett des Dr. Parnassus" noch nicht abgedreht. Gilliam mußte sich schnell von dem Schock erholen und kam mit einem genialen Kniff zurück ans Set: er holte Jude Law, Colin Farrell und Johnny Depp ins Boot und ließ sie Ledgers Rolle in den fehlenden Szenen übernehmen. Und tatsächlich fügt sich ihre Präsenz ganz natürlich in die Handlung ein. Denn in der Welt, die der alternde Schausteller (Christopher Plummer) mit seinen Gedanken und denen seiner Probanden erschafft, kann jeder sein, wer er will, auch der seltsame Fremde Tony, der sein Gedächtnis verlor. Nur schade, daß sich heutzutage niemand mehr von der Imagination faszinieren lassen will. So verfällt Dr. Parnassus zusehends dem Alkohol und nur seine Tochter Valentina (Lily Cole) hält ihn auf den Beinen. Die Not zwingt ihn jedoch, einen Pakt mit dem Teufel (Tom Waits) einzugehen, aus dem er nicht so leicht wieder entkommen kann.

Man will sich nicht satt sehen an der Welt, die Gilliam erschafft. Die Computertechnik eröffnet seiner Phantasie neue Möglichkeiten und die europäische Finanzierung sorgt dafür, daß der Exzentriker endlich wieder losgelöst agieren darf. Das Ergebnis ist typisch Gilliam, mit all seinen Ecken und Kanten, an denen sich der Mainstream stoßen darf, und einem schier unerschöpflichen Sinn für das Abwegige.
Tim Burton darf sich verneigen.
 
von Lars Tunçay
 

Start: 7. Januar 2010

Original: The Imaginarium Of Dr. Parnassus

Dauer: 122 Minuten

Verleih: Concorde