Der Informant

- © Warner
Trau schau wem? - Der Typ mit dem Toupet, dem Schnauzer und der großen Brille sieht schon ziemlich weltfremd aus so wie man sich einen Wissenschaftler eben vorstellt. Doch Mark Whitacre (Matt Damon) ist nicht nur das, sondern ebenso Multimillionär und FBI-Agent. Was sich wie ein schlechter Groschenroman liest, ist die wahre Geschichte eines Mitarbeiters des Agrarkonzerns ADM, der Anfang der Neunziger vom Angestellten zum Informanten wird und sich dabei immer tiefer in dem Konstrukt seiner eigenen Phantasie verliert.
Oder ist am Ende doch alles wahr, was Whitacre dem FBI und uns da in seinen Off-Monologen auftischt?
Regisseur Steven Soderbergh läßt uns bewußt von Anfang an im Unklaren über die Motive und die geistige Zurechnungsfähigkeit seiner Hauptfigur. Whitacre schwebt irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn, gesegnet mit einer lebendigen Phantasie und einer unbändigen Naivität, die den zuständigen Agenten Brian Shepard (Scott Bakula) zur Weißglut treibt.
Wie schon die "Oceans"-Remakes inszenierte Soderbergh die Verfilmung des Buchs von Kurt Eichenwald als beschwingt-lockeres Schelmenstück und unterlegt nahezu jede Szene mit dem Swing der Sechziger. "Der Informant" verkommt aber nie zur platten Bond-Persiflage, sondern bleibt jederzeit anspruchsvolle Unterhaltung. Das ist nicht zuletzt auch Matt Damons Verdienst, der Mark Whitacre mit glaubwürdiger Überzeugung verkörpert und die bislang beste Leistung seiner Karriere vorlegt.
von Lars Tunçay
Start: 5. November 2009
Dauer: 108 Minuten
Verleih: Warner

