Die Audienz von Armin Rößler, Heidrun Jänchen (Hrsg.)

© Wurdack Verlag

Donald A. Wollheim sagte einst: "SF ist die hellste Art von Literatur." Schon allein dadurch, dass in aller dystopischen Attitüde immer noch die Hoffnung lebt, Geschichten könnten nicht nur mahnen, sondern das Ruder noch einmal herumreißen. Und so ist es wundervoll Anthologien dieser Subkultur auch heuer, nach dem Hype, in den Händen zu halten, die vollgepackt mit Weitsichtigkeit sind. Da schält sich sogar eine neue Erkenntnis aus dem Berg der Vorurteile, nämlich, dass Frauen derzeit die bessere SF schreiben.

Ganz vorn Bruna Phlox mit "Hör auf die Wahrsagerin, Nishka!": ganz dichte Schreibe, ganz nah an den Verwerfungen und Absurditäten der "Jetztzeit", katapultiert die junge Dame ihre Helden in ein grausames Utopia. Und wir dürfen mitfühlen, was große Meisterschaft ist. Auch Nadine Boos oder Karla Schmidt erfreuen mit guten Einfällen, dem gewissen Gespür für Glaubwürdigkeit und überraschenden Wendungen. Leider schwächelt der Cyperpunk-Zar Christian Günther etwas.

Seine Geschichte zu durchsichtig, zwar flott geschrieben – aber eben eher MDR als National Geographic. Manche der 16 Storys hätten ein paar Seiten mehr gebrauchen können, dafür schaffen es andere völlig auf den Punkt. Wie eine perfekte Landung mit dem Shuttle. Jedenfalls ein Vergnügen für wache Geister, schließlich findet sich wirklich Haltbares heute fast nur noch in Kleinverlagen, während "Die Großen" Elfen und Trolle in Raumschiffe stopfen, Ziegelsteinbücher produzieren und diese dann mit millionenschweren Werbeetats in die Käuferhirne prügeln. Dystopia ist gar nicht soweit weg!

von Volly Tanner


Verlag: Wurdack Verlag