Die Polizei

- © Neues Schauspiel Leipzig
Neues Schauspiel Leipzig - An Leipzigs Innenstadt-Ringstraße steht ein Wegweiser "Westkultur". Dort, zumindest in Lindenau und Plagwitz, beleben Galerien und Ateliers das Geschäft, wie allerlei Theaterbühnen. Not macht erfinderisch – bevor Schauspieler arbeitslos werden, machen sie ein neues Haus auf. So geschehen beim Neuen Schauspiel Leipzig. Vom VEB Formular-Spezial-Druck sind im Hinterhaus der Lützner Straße 29 nur die Gebäudehülle und Karteikarten erhalten geblieben, denn Lebensgeschichten erzählen die Einbände der Getränkekarten – mit Namen, Wohnadressen und Arbeitsplätzen der Werktätigen.
Selbst das paßt zum Stück des Abends: "Die Polizei" von Slawomir Mrozek. Haftet den polnischen Dramatikern ein Ruf von Härte, Spiellust und Verruchtheit an? Ja! Hinter dem eisernen Vorhang der Politik, mit diplomatischen Ränkespielen über die Mauer, gärten Idee und Kunst. Was an Becketts "Warten auf Godot" absurde Theater-Klassik wurde, wird bei Mrozek erspielt, als ginge es um Billardkugeln: Jetzt du! Zum Jammer der Polizei gibt es keine Verbrecher mehr, der letzte einsitzende Straftäter bekennt alles, verspricht Besserung und wird entlassen. Nur die Polizei bleibt gefangen in ihren Verhältnissen.
Abhilfe schafft erst die Einsicht eines Polizisten: Und schon haben wir wieder einen Straftäter und Häftling, an dem sich das Erziehungssystem beweisen kann. Im stimmlich-lautmalerischen Michael Rousavy als Gefangener, der uns dann als Adjutant wieder erscheint, Andy Scholz, als beamten-grauen Sergeant, der dann hinter Gitter geht, als Kommandant der dienstbeflissene Uwe Schütz und Raimund Jurack als General und Macht des Gesetzes wie der Hierarchie begegnen uns allesamt tragödienerprobte Schauspieler, die ihre Rollen ernst nehmen.
Und sie scheinen es auch auszukosten. Flankiert werden sie von einer Live-Band mit Posaune, Gitarre und Bass. Markus Czygan und Claudia Rath verantworten Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme.
von Karsten Pietsch

