"Dracula"- Musical im Opernhaus Halle

- © Opernhaus Halle
Fledermaus und Gruselschloss gibt es nicht auf der Bühne von Halles Opernhaus, wenn sich der Vorhang zu "Dracula", dem Musical des tschechischen Komponisten Karel Svoboda und seinen Librettisten Zdenek Borovec und Richard Hes öffnet – längst nicht so bekannt und vermarktet wie "Tanz der Vampire". Grausam ist die eingangs gezeigte Spätmittelalter- Vorgeschichte, wenn Draculas Mutter als Hexe hingerichtet wird, er selbst zum Mörder wird und – aus Rache – zu ewigem Leben verdammt wird. Im 19. und im 21. Jahrhundert begegnen wir ihm wieder. Was an Text zu verstehen ist – wenn nicht, hatte das bei der erlebten Aufführung tontechnische Ursachen durch hohe Lautstärke und fehlende Nuancierung –, ist flott gereimt, wie von Musical-Dauerübersetzer Michael Kunze nicht anders zu erwarten.
Michael Fuchs leitet die Staatskapelle Halle, die Brass-Stärke wird durch die Michael-Fuchs-Band aufgerockt. Regisseur ist Matthias Brenner, ab Herbst Schauspielchef in Halle, bisher Schauspielregisseur, und zuvor selbst Schauspieler. Im Mittelalter gibt es in Nicolaus-Johannes Heyses Bühnenbild nur ein stilisiertes Kreuz, das Schloss symbolisieren schwarze Treppen mit Kanzeln, die ab und zu gedreht werden. In der Gegenwart sorgt dann die Motorradgang im Lederoutfit für Moderne. Vier dunkle Säulen stehen vor dem weißen Prospekt, der – farbig beleuchtet – reflektiert und Räume schafft, etwas Qualm im Scheinwerferlicht reicht aus für Düsternis mit Durchblick. Es ist völlig normal, aus der Versenkung aufzutauchen; nur wenige Akteure kommen über die Treppe.
Gerd Vogel schindet als Dracula in Statur, Spiel und Stimme Eindruck, umrankt von Nadine Eisenhardt als Adriana und Sandra sowie Kerstin Ibald als Lorraine. Drei Nymphen geistern immer wieder durch die Szene und zeigen am Ende die Raffzähne. Ein gelungener Effekt ist, die einfühlsam-sentimalen Passagen zu doubeln: den Sänger/Spielern werden gleichkostümierte Tänzer zugesellt. Mit Solisten, Ballett Rossa, Extra-Ballett, Chor, Statisterie und Motorradcrew – Choreographie Alexandre Tourinho – wirbelt ein großes Ensemble über die Bühne.
Was im Bühnenbild angedeutet, mehr durch Licht behauptet als in Hardware gebaut ist, wird in Jenny Schalls Kostümen bis zum Detail ausgearbeitet und zur großen Show: von Draculas Super-Geist-Outfit mit Widderhörnern und Pferdeschwanz im Auftaktbild, über Renaissance- und Seidengewänder bis zum Lederfetisch. Wave Gothic vom Feinsten sind sogar die Roben der vier Umbaugeister.
von Karsten Pietsch

