Ein Sargtischler in NY von Hartmuth Malorny

© Edition Paperone

Langsam löst sich die Edition Paperone aus ihrem dunklen Nischendasein und sammelt die wahrhaft heißen Namen des deutschen Undergrounds in ihrem Portfolio. Männer und Frauen mit Biss und Sprache, mit Stehvermögen und Eigenwillen. Hartmuth Malorny, ein Geschichtenerzähler, der mittlerweile seine Brötchen mit den Reinigen von U-Bahn-Zügen verdient, sich aber damit auch frei vom Geklüngel des Literaturbetriebes und der ihm innewohnenden Prostitution die Seele aus dem Leib schreiben kann, gehört dort zur ersten Garde.

Seine Storys haben diese unbändige Kraft des getretenen Hundes, diese wundervolle Mischung aus Suff und Katastrophe, diesen Geschmack nach Blut, kurz nachdem eine fremde Faust das eigene Gesicht traf und die menschlich so wertvolle Wahrheit inne, darüber zu berichten, ohne zu beschönigen und zu fantasieren.

Malorny ist genauso Kanonenfutter des Kapitalismus wie seine Helden und das macht es tröstlich, da da noch welche sind, die davon berichten, was auf den Straßen der sozial zerbrechenden Republik, außerhalb der Häppchenzirkel der Hochliteratur, am brennen ist.

Man wünscht ihm viele Leser, die die Schnauze voll haben von kunterbuntem Slam Poetry, Pop und Zeitgeistscheiß. Und man weiß doch, dass er scheitern wird. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Malorny lebt noch. Und das ist das Beste, was man von einem deutschen Dichter heutzutage sagen kann.

von Volly Tanner


Verlag: Edition Paperone