Ein deutsches Leben von Norbert Marohn

© Lychatz Verlag

Gleich zu Anfang: Norbert Marohn macht es seinen Lesern nicht leicht. Das Leben Ernst Röhms, des SA-Chefs, der Hitlers Machtinteressen zum Opfer fiel, der selbst Täter war und Minderheit ob seiner Sexualität im Massenstaat – wo er herkam und wieso es endete, dies zu vermitteln, ist schwer gestellte Aufgabe.

Um die Klippen zu umschiffen, die solch ein Buch splittern lassen können, hat Marohn einen Stilkniff gewagt: Archivmaterial – wenig genug – im halbdokumentarischen Stil verquickt, dazu Marohns literarische Brillanz und ein punktuelles Herantasten des Autors ans Subjekt seiner Aufmerksamkeit, fernab zeitlicher Stränge und Strenge.

Das liest sich ungewohnt, das lässt zurückdenken im Text und überlegen, wo durch gerades, schnelles Lesen gern Tatsachen wegrutschen. Trotz allem bleiben zum Ende hin mehr Fragen als Antworten. Trotz allem bleibt heutiges Unverständnis und Nichtglauben- Können, wie normal der mörderische Exzess und wie tief verwurzelt der Hass und die Gewalt waren und sind. Trotz allem ein gutes Buch.

von Volly Tanner


Verlag: Lychatz Verlag