Eloy

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ZeitPunkt: Das letzte Zitat, das ich von Dir kannte, war, daß Du davon ausgehst, das Eloy Geschichte sind...
Frank Bornemann: Ja, das stimmt wohl. Ich hatte auch ehrlich gesagt selber nicht erwartet, daß es noch einmal ein Album geben würde.
ZeitPunkt: Zumal ja schon "Oceans 2" eine Ausnahme war, oder?
Frank Bornemann: Ja, eigentlich schon. Also wenn ich der Wahrheit die Ehre geben darf, hatte ich schon nach "The Tide Returns Forever" gesagt, besser kann es nicht werden, wir hatten ein tolle Zeit und ich war auch zufrieden damit und war auch gedanklich schon mit ganz anderen Dingen beschäftigt.
ZeitPunkt: Die große Überraschung... elf Jahre später!
Frank Bornemann: Ja, ich hatte einen Schlußpunkt gesetzt und auch viele Freunde meinten damals, also ehrlich, was willst Du denn jetzt noch machen? Und ich hatte mich auch eher anderen Dingen zugewendet, wir waren eher auseinander gedriftet, ich hab weniger selbst Musik gemacht, als andere Sachen produziert.
ZeitPunkt: Wann und wie kam es dazu, daß Ihr Euch dann doch anders entschieden habt. War das Deine Entscheidung?
Frank Bornemann: Ich kann das gar nicht allein entscheiden, ich mache ja auch das Album nicht alleine.
ZeitPunkt: Aber Du hältst die Fäden, komponierst die Songs, Du hast es produziert, wer hätte also sonst die Idee haben sollen?
Frank Bornemann: Im Spätsommer 2008 hatte mich ein guter Freund gefragt, ob ich nicht genügend Bildmaterial für eine DVD hätte, er hätte einen guten Freund, mit dem er das machen wollte und er meinte, der Bedarf wäre auch da. Und dafür haben wir jede Menge gesammelt und Rechte zusammengetragen etc., und als ich das dann alles so sah, dachte ich, das kann man auch nicht bringen, da müßte dann auch noch etwas Neues drauf. Also hab ich mir die Gitarre genommen und wollte zwei, drei Songs komponieren - und was dabei herauskam, waren 40 Minuten Musik. Und dann hatte ich auch den kühnen Einfall, daß man das ja auch aufnehmen könnte, also hab ich die Jungs kontaktiert, und hab das mit Michael, der die DVD-Idee hatte, besprochen, ob das denn wohl noch Sinn hätte, aber er sagte nur, ob ich eigentlich eine Idee hätte, wie groß die Nachfrage eigentlich noch sei. Nachfrage? Ich sagte, nee, keine Ahnung, aber dann wurde ich neugierig und wir stellten fest, daß wir von den Remasters alleine rund 150.000 Platten verkauft hatten, und hab im Internet recherchiert. Dann hab ich erst mitgekriegt, was da alles an Material herumgeistert...
ZeitPunkt: Nun kanntest Du die Erwartungshaltung - hat Dich das unter Druck gesetzt? Was war Dein Ansatz für das Album?
Frank Bornemann: Nun, immerhin kannte ich aus all diesen Briefen die Favoriten, die immer wieder genannt wurden, also wollte ich auf keinen Fall den Fehler machen, hier zu modern zu werden. Gleichzeitig wollte ich ein Album, das immer noch so warm klingt wie frühere Aufnahmen, auch wenn wir sie digital aufgenommen haben. Wir haben deswegen später dann doch auch analoge Techniken benutzt, und es sollte nicht unbedingt so song-orientiert werden - und das hat im Endeffekt auch irgendwie hingehauen, glaube ich.
ZeitPunkt: Ja, die Songlängen sprechen schon eine klare Sprache - und "Mystery" ist auch ein echtes Highlight!
Frank Bornemann: Ja, der ist mit 9 Minuten ja auch der längste Song und mein persönlicher Favorit.
ZeitPunkt: Wie siehts denn mit Live-Gigs aus - gibts da Probleme?
Frank Bornemann: Ich fürchte ja. Ich lebe ja selber teils in Hannover, teils in Paris, schreibe eigentlich derzeit an einer Rock-Oper, das wird auch ein größeres Bühnenwerk mit CD und Aufführung etc. Das wird auch noch eine Weile in Anspruch nehmen. In der Digipack-Version unseres Albums gibt es eine Ankündigung dafür: "Die Vision, das Schwert und das Feuer". Das ist wirklich meine bislang größte Herausforderung, mit Orchester, großen klassischen Chören, natürlich auch mit Rockband - und jetzt würde mich eine Ablenkung davon unnötig abhalten, also halte ich Eloy-Livegeschichten für eher unwahrscheinlich.
ZeitPunkt: Was mich immer gewundert hat - Du spielst selber Gitarre, wie kam es, daß das Keyboard immer die wichtigste Rolle gespielt hat?
Frank Bornemann: Mir war es immer am wichtigsten, diese Atmosphären zu erzeugen, und da sind die Möglichkeiten mit der Gitarre schon sehr begrenzt. Auch bei Pink Floyd gibt es zwar Gitarrensoli ohne Ende, aber die haben ja auch vor allem mit Keyboards ihre Stimmungen erzeugt.
ZeitPunkt: Wie wichtig würdest Du Pink Floyd eigentlich als Deinen Einfluß nennen?
Frank Bornemann: Ich glaube, wie alle Musiker in diesem Genre auch für mich schon sehr stark. Aber Pink Floyd sind natürlich eine Band, die viel ruhiger sind, das ist ja wie ein liegender See, Eloy haben dagegen immer Seegang. Der Schlagzeuger bei Floyd macht ja nicht viel Aufruhr, da geht es vor allem um Atmosphäre, und davon läßt man sich natürlich gerne inspirieren. Aber es geht dann immer darum, was man selber daraus macht, und unser Unterschied war eben immer, daß wir deutlich rockiger waren.
ZeitPunkt: Du hast in den 90ern ja auf "Chronicles" die alten Sachen neu aufgenommen und eingesungen - war das auch aufgrund Deines verbesserten Englisch?
Frank Bornemann: Nee. Ich meine, klar hatte ich in den 70ern noch weniger Wissen, aber die Einzigen, die sich darüber aufgeregt haben, sind deutsche Kritiker. Ich hatte in England nie Probleme damit - ich kann mich noch an meine eigenen Sorgen diesbezüglich erinnern, als wir das erste Mal nach England gingen, aber die wurden mir schnell genommen. Und in Amerika merken die das eh kaum, weil die da selber so viele verschiedene Dialekte und Akzente haben, daß sie damit gar keine Probleme haben. Das Einzige, was ich immer sage, auch wenn ich andere Bands produziere, ist, daß man sich auf eine Aussprache konzentrieren muß und nicht hin und her springen darf zwischen American und British
English, da muß man sich selbst entscheiden und dann auch dabei bleiben, sonst wirds unglaubwürdig. Und, wo es natürlich ganz wichtig ist, ist das textliche, da kommt man natürlich mit einem Wörterbuch nicht weit, vor allem wenn man auch noch poetisch werden will. Da kommt man ohne Native Speaker nicht weiter. Da gab es auch auf dem neuen Album Dinge, die man nur so beheben konnte, z.B. statt "below" oder "under the sky" das noch schönere Wort "beneath". Oder für die Elfe, die ich da habe tanzen sehen, statt "fairy" dann doch lieber "pixie" zu nehmen, weil "fairy" in England nämlich auch gerne die Schwulen bezeichnet... darauf muß man erst einmal kommen...
ZeitPunkt: Wie siehst Du das - heißt das, daß es jetzt auch einfach weiter gehen könnte?
Frank Bornemann: Da sag ich jetzt durchaus ja. Was nicht heißt, daß ichs machen werde, aber die Möglichkeit besteht. Wir bringen ja jetzt erst einmal ein paar Alben neu raus, deren Rechte jetzt an mich zurückgehen - "Ra" (remastered), "Destination" und "Tides Return Forever" (remastered), und auch die "Chronicles" noch einmal - ergänzt mit Bonusmaterial als Doppelalbum. Und bei "Destination" werde ich auch zwei Titel komplett neu reproduzieren und ändern, auch im Vocal-Bereich. Das wird alles im Laufe von 2010 passieren.
ZeitPunkt: Sind das auch alles Überlegungen, die Dir gekommen sind, weil Du gesehen hast, wie groß das Interesse ist?
Frank Bornemann: Ja, ganz klar, das hatte ich so nicht erwartet. Ich war wirklich sprachlos über das, was ich da gehört und erfahren habe - und dankbar auch. Ein Künstler darf ja auch einfach mal dankbar sein. Und ich hab auch den Jungs da ein paar Briefe vorgelegt, damit die das auch mitkriegen, da standen ja Sachen drin, die kannst du Dir gar nicht vorstellen. Und das nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Amerika. Wir haben ja auch jetzt erstmals einen US-Lizenz-Deal, nachdem wir endlich mitgekriegt haben, wie das da angekommen ist. Aber unsere bisherigen Labels hatten immer ihre festen Mengen, die sie rübergeschickt haben und dann war Ende, und als man über das Internet endlich mitgekriegt hatte, was da sonst noch möglich gewesen wäre, gab es die Band schon gar nicht mehr. Und jetzt kommen noch Lizenzen in Rußland dazu, da wußte ich gar nicht, daß die auch Platten kaufen. Und die CD wird in ganz Europa veröffentlicht, da beginnen fast ganz neue Zeiten für uns!
ZeitPunkt: Ein Wort noch zu Euren früheren Weggefährten Jane... wie siehst Du deren aktuellen Weg?
Frank Bornemann: Ich muß ehrlich sagen, ich weiß nicht so viel - und die richtig fette Beziehung hatte ich auch nie zu denen, wenn ich ehrlich bin. Und ich weiß auch nicht, was ich nach dem Ableben von Peter Panka davon halten muß. Also ich würde es nicht tun...
ZeitPunkt: Letzte Frage - Du hattest die DVD erwähnt - wann erscheint die nun?
Frank Bornemann: Darauf hab ich gar keinen großen Einfluß, das mache ich ja nicht selber, aber ich rechne im nächsten Frühjahr damit. Aber das ist deren Initiative und da gestehe ich ihnen auch alle Zeit zu. Die haben da ganz tolle Leute aufgetrieben, die ihre Kommentare abgeben, Mitmusiker, Plattenfirma, etc...

