Eric Woolfson

- © Eric Woolfson
Er begann als Session-Pianist und schrieb bereits Songs für u.a. Marianne Faithfull, als ein Treffen mit Alan Parsons sein Leben änderte. Gemeinsam erarbeiteten sie ein Konzeptalbum über Edgar Allan Poe - und nach dessen immensen weltweiten Erfolg setzten sie die Zusammenarbeit für neun weitere Alben fort, mit dem Traumergebnis von 45 Millionen verkauften Alben. Seit den Neunzigern ist Woolfson für seine Musicals bekannt, sein neuestes startet am 28. August in der Oper in Halle. Vorab machte er jetzt mit seinem Album "Eric Woolfson Sings The Alan Parsons Project That Never Was" auf sich aufmerksam - und bringt so schon mal seinen Namen in Umlauf. ZeitPunkt-Redakteur Ralf Koch sprach mit dem Briten.
ZeitPunkt: Ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, dem Dein Name nicht so sehr bekannt war...
Eric Woolfson: Nein das stimmt, das ist durchaus verständlich. Aber ich bin der Namensgeber für das Alan Parsons Project, also ist es meine eigene Schuld.
ZeitPunkt: Gab es damals eine Alternative?
Eric Woolfson: Ich hatte darüber nachgedacht, aber ich war ein unbekannter Songwriter und Produzent, Alan hatte mit den Beatles in den Abbey Road Studios gearbeitet und gerade "The Dark Side of The Moon" gemischt, hatte also im Musikbusiness einen wesentlich besseren Namen. Nicht so sehr in der Öffentlichkeit, aber in der Musikszene allemal. Und obwohl ich der Songwriter war, machte es mir nichts aus, im Hintergrund zu bleiben.
ZeitPunkt: Und die neuen Songs waren alle mal vorgesehen für Alan Parsons Alben?
Eric Woolfson: Ja, im Prinzip wohl. Und was jetzt passierte, war, daß die Plattenfirma vor ein par Jahren sagte, sie wollten die Alan Parsons Alben remastern und fragten, ob es unveröffentlichtes Material gab. Also fing ich an, alle Demos zu sichten und nach unveröffentlichten Songs durchzuhören. Und diese Songs waren teilweise fertig, andere nur begonnen und allen gemein war, daß Alan kein größeres Interesse an ihnen hatte. Aber wie ich sie mir so anhörte dachte ich, hey, das sind gute Songs. Also schlug ich vor, daß ich die Songs überarbeiten würde auf meine Art - und das ist, was jetzt auf CD vorliegt.
ZeitPunkt: Wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit?
Eric Woolfson: Wir arbeiteten beide in den Abbey Road Studios, er mit Pink Floyd, ich mit einem unbekannten Künstler. Und wir trafen uns in der Kantine und kamen ins Gespräch, weil wir beide sehr groß sind. Anfangs sollte ich Alans Manager werden, denn das war gerade, was ich versuchte, aufzubauen. Alan war mein erster Kunde - neben Carl Douglas, der damals einen Hit mit "Kung Fu Fighting" hatte. Der nächste Schritt war, daß ich gerne ein Album über Edgar Alan Poe machen wollte und dachte, wenn man das Talent von Alan Parsons nähme, meine Songs und das ganze kombiniert in einer Art und Weise, wie Stanley Kubrick oder Alfred Hitchcock einen Film macht, wo die Produktion entscheidend ist und nicht das Ego eines Musikers. Und das war der Anfang des Alan Parsons Project.
ZeitPunkt: Es gab über die Jahre immer wieder verschiedene Sänger, einige hast Du auch gesungen...
Eric Woolfson: Ja, ich hätte gerne alle gesungen, aber Alan sah mich immer noch in erster Linie als sein Manager, und er wollte nicht, daß sein Manager auf seinem Album singt. Aber ich habe die Songs ohnehin immer für die Sessions und Demos eingesungen. Eines Tages waren wir in Frankreich, um das "The Turn Of A Friendly Card"-Album aufzunehmen und Alan fragte mich, wer denn die letzten beiden Songs singen sollte, die noch nicht fertig waren. Und ich sagte, "Laß mich das machen, bitte". Er war nicht sehr glücklich, aber er willigte ein - und Tatsache war, daß die beiden Songs - v.a. in Amerika - große Radiohits wurden. Deshalb durfte ich in der Folgezeit immer wieder mal Songs singen.
ZeitPunkt: Die Zusammenarbeit endete mit dem "Freudiana"-Album durch einen Streit, den es gar nicht mal zwischen Alan und Dir gab.
Eric Woolfson: Alan war es gewohnt, der Chef im Studio zu sein. Aber für "Freudiana" waren wir im Theater und er war plötzlich nicht mehr die Hauptperson - und ich kann verstehen, daß er damit so seine Probleme hatte.
ZeitPunkt: Aber der Streit war nicht zwischen Dir und Alan.
Eric Woolfson: Nein, das war mit dem Menschen, der mich gefragt hatte, ob wir "Freudiana" auf die Bühne bringen könnten. Das war ja ursprünglich ein Alan Parsons Produkt, aber es wurde eine Musical-Produktion. Und im Endeffekt lag ich vor allem im Clinch mit diesem Menschen - von dem ich viel gelernt habe darüber, wie man Musicals NICHT machen sollte! Daß dies das Ende vom Alan Parsons Project bedeutete, lag daran, daß Alan Musicals nicht mochte, während ich darin meine neue Bestimmung gefunden hatte. Alan zog nach Amerika, gründete eine Band und fing an, live zu spielen, was eigentlich ungewöhnlich war, weil seine Stärke wohl im Studio lag, aber nicht wirklich auf der Bühne. Aber sein Name war bekannt und die Leute dachten, er wäre damit auch ein Sänger und Frontmann und er liebte die Popularität.
ZeitPunkt: Klingt jetzt ein wenig sarkastisch von Dir...
Eric Woolfson: Es sollte auch ironisch klingen!
ZeitPunkt: Was reizte Dich so an Musicals?
Eric Woolfson: In der Musik kann der Songschreiber durchaus im Hintergrund agieren, aber im Musical ist der Schreiber "der Komponist" und damit etwas ganz besonderes für das Stück - und das ist sehr schmeichelnd für einen Songschreiber.
ZeitPunkt: Alan Parsons war immer sehr erfolgreich in Deutschland!
Eric Woolfson: Ja erstaunlicherweise. Ich habe nie herausgefunden, warum, aber wir hatten einmal fünf Alben gleichzeitig in den deutschen Top 30 Charts! Und als ich mit den Musicals startete, war das die beste Voraussetzung in Deutschland. "Gaudi" lief fünf Jahre in Aachen, Augsburg und Köln, "Gambler" habe ich in Mönchengladbach begonnen, Ende August startet "Edgar Allan Poe" in Halle - Deutschland war immer sehr gut zu mir.
ZeitPunkt: Und wieder kommt die Musik von Dir?
Eric Woolfson: Ja, die Musik, die Texte und das Buch.
ZeitPunkt: Mit "Edgar Allan Poe" kehrst Du ja zurück zu Deinen Anfängen zurück, oder?
Eric Woolfson: Nun, zu den Anfängen meiner Inspiration, ja, sein Leben, seine Arbeit und das ist so miteinander verwoben - ich habe mich schon sehr viel beschäftigt mit seinem Leben und er war immer schon ein großer Einfluß. Und ja, ich habe das Alan Parsons Project begonnen mit Edgar Allan Poe, aber die Musik für das Musical ist komplett neu.
ZeitPunkt: Wie lange wird es in Halle laufen?
Zunächst bis Ende des Jahres, glaube ich, danach wird es auf Tournee gehen.

