Foreigner

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ZeitPunkt: Nun, herzlichen Glückwunsch zum neuen Album - es sieht so aus, als wenn Ihr das Baby wirklich wiederbelebt hättet.

Kelly Hansen: Nun, ich glaube, das Baby war nicht bewußtlos, wir mußten den Leuten nur erstmal zeigen, daß dieses Line-Up wirklich etwas bewegen kann, daß alle voll dahinter stehen und daß es noch längst nicht zu Ende ist. Und das beweisen wir jetzt erst im zweiten Schritt mit diesem neuen Album.


ZeitPunkt: Alle voll dahinter ist ja auch relativ, es gab ja schon ein paar kleine Wechsel am Schlagzeug und an den Keyboards. Mußte Jason (Bonham) sich entscheiden zwischen Foreigner und Led Zeppelin?

Kelly Hansen: Nein, es gab verschiedene Faktoren. Als wir diese Band 2005 neu gestartet haben, war noch gar nicht abzusehen, daß es so eine Menge Tourneen und Arbeit werden würde, das war ein Riesenunternehmen, wir waren quasi durchgehend auf der Straße. Und Jason ist verheiratet, er hat Kinder in einem kritischen Alter, da wollte er nicht ganz so viel unterwegs sein, sondern mehr Zeit mit der Familie verbringen. Dazu kam dann diese Led Zeppelin Reunion, an der er teilnahm. Aber wir sind nicht böse auf ihn, wir haben ihn gerade letzten Monat getroffen und wir sind beste Freunde, also keine Sorge.

 

ZeitPunkt: Die alten Hits zu spielen ist eine Sache, ein neues Album aufzunehmen eine andere.

Kelly Hansen: Das stimmt, aber das ist, was wir mit dieser Band machen wollten. Es war von vornherein klar, daß wir diese Band auf den nächsten Level heben wollten. Natürlich ist es ein Privileg, in einer Band zu singen, die so viele Hits hat, aber wir wollten auch beweisen, daß dieses Line-Up zu Ähnlichem in der Lage ist.

 

ZeitPunkt: Es war also von vornherein klar, daß Mick ein neues Album aufnehmen wollte?

Kelly Hansen: Gute Frage, ich denke, spätestens innerhalb des ersten Jahres wurde jedem klar, daß das nur der logische nächste Schritt sein würde. Wir hatten nur gar keine Zeit, eins aufzunehmen, weil wir so viel unterwegs waren. Als wir das schließlich beschlossen hatten, daß wir es endlich angehen würden, war klar, daß wir das alles parallel zu unseren übrigen Verpflichtungen angehen lassen müßten. Also ein neues Album schreiben, proben und aufnehmen, während wir auf Tournee in den USA und in Europa waren, daneben eine Live-DVD filmen, aufzunehmen und abmischen, d.h. durchgehen und wieder und wieder sichten, alles was dazu gehört, und dann noch 10 klassische Foreigner-Songs neu aufzunehmen, das war Schwerstarbeit, ich weiß nicht, ob jemand sich das so vorstellen kann. Man ist auf Tour und es gab nicht eine einzige Pause, weil wir an den "Days Off" nach New York oder L.A. fliegen mußten, um die Songs aufzunehmen - und es war auch eine große Belastung für die Stimme, nie eine Pause zu haben, das kannst du mir glauben.


ZeitPunkt: Du hast so etwas jedenfalls noch nicht gemacht?

Kelly Hansen: Ich kenne nicht viele, die so etwas schon mal gemacht hätten.

 

ZeitPunkt: DVD und Best-of - das klingt nach einem dieser WAL-Mart Deals?

Kelly Hansen: Ja, das stimmt. Wir wollten einen Partner, der dieses Album optimal promoten und vermarkten kann, weil es so lange her ist, daß wir ein neues Album draußen hatten. Ganz egal, wie viel wir in den letzten Jahren gemacht haben, es gibt immer noch so viele, die keine Ahnung haben, daß es Foreigner wieder gibt. Und ihre Pläne klangen gut und wir sind sehr erfolgreich damit gewesen. In den USA ist das Album ja bereits Ende September erschienen.


ZeitPunkt: Okay, und jetzt habt Ihr Zeit, die entsprechende Promotion auch hier in Europa zu machen?

Kelly Hansen: Genau, es schien nicht sinnvoll, das hier auch noch in die Vorweihnachtsphase zu bringen.

 

ZeitPunkt: Und wer hat das Album letzten Endes geschrieben, Du und Mick oder die ganze Band?

Kelly Hansen: Nein, das meiste kommt von Mick und mir sowie Marti Frederiksen, ein bekannter Songwriter und Produzent, der uns zur Seite stand. Die Band war durchaus beteiligt, aber wir hatten ein kleines Zeitproblem - was auch mit den Plänen von WAL Mart zu tun hatte. Die hatten uns ihre Möglichkeiten genannt, und da gab es nicht viel zu verhandeln, also mußten wir uns etwas sputen - und das wäre mit sechs Leuten noch viel aufwendiger geworden, als es so schon war.

 

ZeitPunkt: Ihr seid 2005 zusammengekommen, wie viele Pausen gab es wirklich seit dem?

Kelly Hansen: Nicht viele, die längste war glaube ich 6 Wochen oder so. Anfang 2007 hatten wir eine kleine Pause geplant, um ein neues Album aufzunehmen, aber sobald man eine Pause einlegt, kommen 1000 andere Dinge, die dringend erledigt werden müssen und die Dich aufhalten - ganz abgesehen von dem Wunsch, auch mal wieder ein Privatleben zu haben. Ich meine, ich möchte hier keine Rockstar-Träume zerbrechen, aber es ist nicht so, daß wir immer in den Ferien sind (lacht).

 

ZeitPunkt: Was ist aus Deinen anderen Projekten geworden, die Du vorher hattest?

Kelly Hansen: Ich habe mit Mick darüber gesprochen, als wir anfingen. Für mich war völlig klar, daß wenn ich in dieser Band singen würde, es keine anderen Projekte für mich gäbe, daß ich auch eine Band wollte, die genau diesen Aufwand fährt. Das brauche ich und habe auch gesagt, daß die Band genau das braucht. Es sollte keine Wochenend-Band werden. Und Mick war genau derselben Meinung.

 

ZeitPunkt: Du wolltest also einen Vollzeitjob?

Kelly Hansen: Ich sehe das nicht als Job, aber wenn Du als Band Erfolg haben willst, dann mußt Du 100% geben, so sehe ich das.

 

ZeitPunkt: Ich habe 2007 mit Mick gesprochen, als Ihr die Live-DVD veröffentlicht habt, und ich sagte ihm, wie erstaunt ich sei, daß Deine Stimme der von Lou Gramm so ähnlich sei, und daß mir das bei Deinen früheren Bands, wie Hurricane gar nicht so aufgefallen wäre. Er sagte, Du wärst ein Spezialist darin, Stimmen zu entwickeln - kannst Du dem zustimmen? 

Kelly Hansen: Ich glaube, es gab verschiedene Umstände, die glücklich zusammenfielen, als Mick auf mich zukam. Ich war an einem Wendepunkt meiner Karriere. Ich bin ja keine youtube-Entdeckung, ich habe meine eigene Karriere und Geschichte, und es war klar, daß wir keine bloße Kopie von dem wollten, was Foreigner einmal waren, nur um die Geschichte fortzusetzen. Dazu kommt, daß sich meine Stimme verändert hat über die Jahre - ich meine, wenn ich Sachen höre, die ich 1988 gesungen habe, das war ein anderer Sänger. Meine Stimme ist besser geworden und ich glaube ich hätte zu keinem Zeitpunkt besser in diese Band gepaßt, als 2005.


ZeitPunkt: Ist durch Foreigner das Interesse an Deinen alten Sachen schon gestiegen?

Kelly Hansen: Es ist schon ein Zufall, daß Capitol gerade den ganzen Backkatalog von Hurricane neu veröffentlicht hat, obwohl ich das jahrelang versucht hatte, und sie mir immer sagten, es lohne den Aufwand nicht, diese ganzen rechtlichen Dinge zu klären. Jetzt gehe ich gerade gegen sie vor, denn sie haben das alles einfach gemacht, ohne irgendetwas mit mir abzusprechen - und ich habe ja durchaus Rechte daran. Aber das ist typisch für die Frechheit, die manche Leute besitzen - die veröffentlichen einfach irgendetwas, bis jemand sagt, es ist verboten. Dann nehmen sie es wieder aus dem Markt.

 

ZeitPunkt: Man braucht also gute Anwälte...

Kelly Hansen: Ja, aber sie machen das auf internationaler Ebene, und ich kann nicht in jedem Land oder Kontinent einen Anwalt dafür beschäftigen. Spanien? Italien? Oder China?

 

ZeitPunkt: Wie sehr kanntest Du Dich mit Foreigner aus, bevor Du ihr Sänger wurdest?

Kelly Hansen: Ich kannte sie sehr gut, ich kam ja im Prinzip aus der gleichen musikalischen Ecke. Ich hatte ihre Alben.

 

ZeitPunkt: Mick war damals darüber unglücklich, daß Lou Gramm die Band in diese Balladen-Richtung gedrängt hatte. Würdest Du das neue Album als reines Rockalbum bezeichnen?

Kelly Hansen: Nun, erst einmal würde ich nicht sagen, daß Lou allein verantwortlich war. Ich glaube, was die Band wirklich in diese Balladenrichtung gedrängt hat, war, daß sie zwei Balladen aufeinanderfolgend von zwei verschiedenen Alben veröffentlicht haben. Die Plattenfirma wollte den Erfolg von "Waiting For A Girl Like You" mit "I Wanna Know What Love Is" wiederholen - und dieser Zug hat sie fest in den Köpfen als Balladenband verankert. Aber wenn man sich den Rest der Alben anhört, dann waren Foreigner immer schon eine Rockband. Wenn wir in Zeiten leben, in denen ein Album nicht mehr viel zählt, weil sich die Leute eh nur noch einzelne Songs runterladen, denken wir Musiker immer noch gerne in CD-Dimensionen, und das hieß für uns, daß wir eine gute Balance haben wollten - inklusive Rocksongs, Balladen und Midtempo-Songs.