Leipziger Jazztage

- © Jazzclub Leipzig e.V.
Gustav Mahler und Miles Davis sind Legenden der Musikgeschichte. Mahler war einer der berühmtesten Spätromantiker, der den Schritt wagte, einen Weg in die Moderne zu ebnen, und somit eine neue Ära eröffnete. Er wurde bekannt für seine Orchesterund Klavierlieder, seine Sinfonien, Chorwerke und nicht zuletzt für seine Kammermusik. Miles Davis überraschte die Welt ein halbes Jahrhundert später mit seinem einzigartigen Improvisationstalent, das ihn im Gedächtnis aller Jazzliebhaber unsterblich werden ließ.
Auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam, werden die beiden Künstler in diesem Jahr zu untrennbaren Persönlichkeiten, indem sie den Rahmen um die von Köstritzer gesponserten 35. Leipziger Jazztage bilden, denn 2011 gedenken wir dem 100. Todestag Mahlers und dem 20. Todestag von Miles.
Hommage an Mahler
Ist die Verbindung zwischen dem am 28. September 1991 in Kalifornien verstorbenen Bandleader und dem Thema des Festivals offensichtlich, lässt einen der am 18. Mai 1911 in Wien verstorbene vielseitige Dirigent vorerst stutzig werden.
Doch dringt man weiter in die Tiefen der Geheimnisse des Jazz vor, so wird man erkennen, dass Mahler zwar nichts mit dieser Musik zu tun hatte, diese aber durchaus etwas mit ihm. So hat zum Beispiel der norwegische Gitarrist Terje Rypdal, Vorreiter in der skandinavischen Jazzszene, den elegischen Grundton als markantes Aushängeschild seines Sounds den Einflüssen Gustav Mahlers zu verdanken. Aus diesem Grund ist auch genau er derjenige, der zusammen mit seinem Septett die „Hommage an Mahler“ präsentiert, eine Auftragskomposition, die am 16. September im Opernhaus Premiere feiern wird.
Ein weiterer Verehrer des Spätromantikers ist der im Jazz nicht wegzudenkende Pianist Michael Wollny. Zu Gast in Leipzig wird er als Abschluss des Festivals am 18. September auf der Schaubühne Lindenfels mit beeindruckender Genauigkeit eine Jazzannäherung an die „Kindertotenlieder“ vorstellen. Ist bei diesen Musikern Mahler schon eine essenzielle Quelle der Inspiration, scheint bei den Werken Brad Mehldaus der österreichische Komponist persönlich mit am Flügel zu sitzen und den Jazzklängen ihre ganz eigene Note zu geben. Diese imaginäre Zusammenarbeit ist die beste Verdeutlichung des eigentlichen Themas der diesjährigen Jazztage. Stehen Mahler und Miles namentlich zwar im Mittelpunkt des Festivals, geht es grundlegend um das Verhältnis zwischen Klassik und Jazz.
Tribute to Miles
Jazz ist nicht gleich Jazz und ganz besonders Miles Davis widmete sich den verschiedensten Varianten, wobei er nie die Lust am Ausprobieren verlor. Das Festival beschränkt sich deshalb nicht auf allgemeine Klänge, sondern widmet sich drei Etappen der musikalischen Entwicklungen des Musikgenies. Beginnend mit der Cooljazz- Phase kann man am 15. September die Bigband Spielvereinigung Sued bewundern, die mit ihren 19 Mitgliedern im Opernhaus endlich eine Bühne gefunden hat, die groß genug ist, um echtes Jazzfeeling zu verbreiten, zumal sie an diesem Tag sogar noch von Frederik Köster, dem Ausnahmetalent an der Trompete, unterstützt wird.
Gespielt werden Arrangements von Gil Evans, dem ehemaligen Mitstreiter von Miles Davis, und eigene Kompositionen der auftretenden Künstler, die natürlich allesamt Einflüsse ihrer großen Vorbilder aufweisen. Doch wären die 35. Leipziger Jazztage kein wahres Gedenken an einen der populärsten Jazzmusiker aller Zeiten, wenn nicht das wichtigste Album seiner Hardbop- Phase oder gar seines kompletten Schaffens einen Platz auf der Bühne bekäme.
Das Martin-Auer-Quintett wird in diesem Zusammenhang ein Miles- Tribute, angelehnt an das Meisterstück "Kind Of Blue", spielen. Dass die Musik von Miles Jahre und Generationen überdauert, zeigt die Band Brave New World, die sich der späten elektrischen Phase verschrieben hat, mit dem US-Amerikaner Adam Holzman, einstiger Keyboarder und musikalischer Leiter der Davis-Group, der noch mit Miles Davis persönlich auf der Bühne stand.
Das Repertoire ist grenzenlos
Werden einerseits die grundlegenden Huldigungen an Mahler und Miles präsentiert, haben die Jazztage natürlich noch weitere Facetten zu bieten. Die Vertretung der Neuen Musik übernehmen zum einen Prof. Volker Bräutigam mit seinen Kompositionen in der Reformierten Kirche am 11. September, zum anderen Johannes Enders und Carl Oesterhelt mit ihrem "Divertimento für Tenorsaxophon und kleines Ensemble".
Im Zusammenhang mit dieser Kompositionsrichtung wird das Verhältnis zur freien Improvisation, ohne die der Jazz unvorstellbar ist, genauer beleuchtet, wenn sich Soko Steidle und das Contemporary Noise Sextet auf die Wege von Freigeistern begeben. Der Sponsor Köstritzer selbst ist auch musikalisch vertreten. Die Köstritzer Jazzband mit ihren vier erfahrenen Musikern und der Nachwuchssängerin Anna- Marlene Bicking glänzte bereits auf vielen nationalen sowie internationalen Festivals und ist daher natürlich mit von der Partie. Im Gepäck ist ihre fünfte CD, die bei einer Record-Release-Party erstmals zu hören sein wird.
Auch die Fans von Electro-Tönen kommen bei den Leipziger Jazztagen nicht zu kurz, denn am 9. September überzeugen Masayoshi Fujita und Jan Jelinek im UT Connewitz auf diesem Gebiet, das mit tanzbaren Klängen bei der "Jazzelectric Night" seinen Höhepunkt fi ndet. Zu guter Letzt wird selbstverständlich auch an den Nachwuchs gedacht, wenn Juri Tetzlaff und Jorinde Jelen schon die ganz kleinen Jazz-Fans begeistern. Dem Publikumsspektrum sind also keine Grenzen gesetzt, wenn Leipzig vom 9. bis 18. September von einem Feuerwerk des Jazz erhellt wird.
von Jane v. Bartnitzke
Spielplan
Freitag, 9.9. - UT Connewitz - 21.00 Uhr |
Samstag, 10.9. - Werk 2 - 22.00 Uhr |
Sonntag, 11.9. - Reformierte Kirche - 18.00 Uhr |
Montag, 12.9. - Horns Erben - 20.00 Uhr |
Dienstag, 13.9. - Moritzbastei - 20.30 Uhr |
Mittwoch, 14.9. - UT Connewitz - 21.00 Uhr |
Donnerstag, 15.9. - Opernhaus Leipzig - 19.30 Uhr |
Freitag 16.9. - Opernhaus Leipzig - 19.30 Uhr |
Samstag, 17.9. - Operhaus Leipzig - 11.00 Uhr |
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