Mein bester Feind

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Im Gewand des Feindes: Kleider machen Leute – das wusste schon Gottfried Keller. Regisseur Wolfgang Murnberger ("Komm süßer Tod“) und Autor Paul Hengge liefern nun eine interessante Interpretation dieser Redewendung. Zu Nazi-Zeiten konnte die richtige Kleidung über Leben und Tod entscheiden. SS-Uniform oder graue Sträflingskluft – wer sich dahinter verbarg, blieb verborgen.
Manchmal entzweite der Zwirn gar echte Freunde. In den frühen Dreißigern sieht die Welt noch anders aus: Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu), Sohn eines weltoffenen und wohlhabenden jüdischen Kunstsammlers (Udo Samel), und Rudi Smekal (Georg Friedrich), Sohn ihrer Haushälterin, sind unzertrennlich. Für Victors Eltern war Rudi immer wie ein zweiter Sohn und es scheint, als wären sie gleichen Blutes. Als jedoch die Nazis an die Macht kommen, ergreift Rudi seine Chance, sich aus dem Schatten der Familie zu befreien. Er legt sich eine Uniform zu und sieht mit an, wie die Kaufmanns deportiert werden.
Der Führer ist allerdings scharf auf eine verschollen Im Gewand des Feindes geglaubte Zeichnung Michelangelos, die im Besitz der Kaufmanns war, und so wird Victor Jahre später nach Berlin transportiert, um den Aufenthaltsort des Bildes preiszugeben. Als der Flieger abstürzt, wirft sich Victor Rudis Uniform über und dreht den Spieß um.
Die Folgen dieser Charade geben Hengge und Murnberger nie der Lächerlichkeit preis. Ihnen gelingt die gefährliche Gratwanderung zwischen Drama und Humor, ganz im Stil der jüdischen Komödie. Ein überzeugender Cast machen "Mein bester Feind" zu einer sehenswerten Neubetrachtung der Vergangenheit, versehen mit bissigen satirischen Zügen.
von Lars Tunçay
Start: 1. September 2011
Genre: Humorvolles Drama
Verleih: Neue Visionen

