Mick Fleetwood

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ZeitPunkt: Wofür steht dieses Blues-Album?

Mick Fleetwood: Dieses Album erforscht meine musikalische Vergangenheit, sprich die frühe Fleetwood Mac-Zeit. Wir hatten eine Menge Spaß; ich bin sehr zufrieden mit der Interpretation des Fleetwood Mac Erbes. Rick und ich kommen beide aus der Blues-Ecke, Blues ist meine wirkliche Liebe, also ist das alles sehr natürlich für uns. Wir haben eine Menge vor mit dieser Band. Je älter ich werde, desto wichtiger ist es mir, live zu spielen.

 

ZeitPunkt: Die Blues-Clubs also als musikalisches Rentnerparadies?

Mick Fleetwood: Nun, mit Fleetwood Mac arbeiten wir ja nicht so viel, aber immer wenn wir zurückkommen, haben wir das Glück, eine tolle Fangemeinde zu haben. Und wenn ich das sagen darf - Wir werden nächstes Jahr auf Welttournee gehen mit Stevie Nicks, Lindsay Buckingham, John und ich.

 

ZeitPunkt: Oh, das ist schön zu hören. Und ich wollte gerade feststellen, daß Du mittlerweile also eher sagst, es sei an der Zeit, das zu machen, wozu Du wirklich Lust hast - eben mit der Mick Fleetwood Blues Band.

Mick Fleetwood: Yeah. Dies ist meine Heimat. Dieses Album ist, wo ich herkomme, dies ist mein Stil, Schlagzeug zu spielen. Ich meine, wir haben viele verschiedene Sachen gemacht, aber die Rhythmusfraktion von Fleetwood Mac war immer relativ straight und simpel, und das kommt in meinem Fall davon, daß ich von Haus aus ein Blueser bin.

 

ZeitPunkt: Aber weil es Dir wichtiger ist, live zu spielen, gibt es auch

Mick Fleetwood: Oh, es wird auch noch ein Album geben. Auf diesem ersten gibt es ja auch schon ein paar Studio-Cuts. Aber wir dachten uns, diese Situation, die man hier hört, ist so sehr, was wir derzeit repräsentieren; wir haben diese Band zusammengestellt, um zu spielen. Deshalb machte es für uns am meisten Sinn, unser erstes ein Live-Album zu machen.

 

ZeitPunkt: Aber zunächst eher ein neues Blues Album als ein neues Album mit Fleetwood Mac?

Mick Fleetwood: Hmm, gute Frage, wahrscheinlich ist das so. Die Welttournee wird im März 2009 starten, mit ca. 20-30 Daten in Europa, aber wir werden kein neues Album veröffentlichen - was die erste Tour sein wird ohne neues Album. Also wird es einen schönen Querschnitt durch unsere Karriere geben.

 

ZeitPunkt: Ehrlich gesagt, dachte ich immer, daß Peter Green die treibende Kraft hinter der Blues-Seite von Fleetwood Mac war und nun kommst Du mit einem Blues-Album!

Mick Fleetwood: Ich hoffe, es ist eine gute Überraschung. Ich habe Fleetwood Mac mit Peter Green 1967 gegründet, und ein Riesenteil meiner musikalischen Vergangenheit war Blues.

 

ZeitPunkt: Deine Liebe gilt dem Blues - wie konnte es dann jemals dazu kommen, daß Fleetwood Mac so Pop wurden?

Mick Fleetwood: Es war die Reise, die wir nahmen. Unsere Anfänge waren Blues. Hör Dir die frühen Fleetwood Mac mit Peter Green an, dann kamen weitere Leute dazu und unser erstes Album war eigentlich nur Jam-Material. Es war schon Wahnsinn, daß dieses Album überhaupt erfolgreich war. Dann kamen die Harmonien durch die drei Gitarren hinein, Peter driftete ins Klassische ab und die Band wuchs immer weiter. Und als diese ganzen Line-Up-Wechsel kamen, kamen neue Einflüsse in die Band. Christine McVie schrieb Songs, die anders waren, auch wenn sie eigentlich aus der Blues-Ecke kam.

 

ZeitPunkt: Du würdest also sagen, daß Fleetwood Mac nie seine charakteristische Seite verlassen hat?

Mick Fleetwood: Nimm ein Album wie "Tusk", da sind wirklich wunderschöne, manchmal dunkle, aber auch ganz schön verrückte Passage drauf, aber man konnte immer hören, daß hier die Fleetwood Mac Rhythmussektion spielt. Gut, "Tango" ist ein sehr anderes Album, musikalisch hat es auch neue Seiten für mich, aber John und ich waren auf jedem Album und - ja, ich glaube - es gibt auf jedem Album Elemente, an denen man uns immer wiedererkennt.

 

ZeitPunkt: Rick lebt in Hawaii, Du tourst mit ihm, arbeitest mit ihm - aber für Fleetwood Mac war das keine Option mehr?

Mick Fleetwood: Rick kam zu Fleetwood Mac als Lindsay die Band verlassen hatte, also wurde es sehr schwer, als Lindsay - als ehemaliges quasi-Gründungsmitglied - 10 Jahre später zurückkam. Glücklicherweise hatte sich Rick zu der Zeit eh schon entschieden, seinen Weg weiterzugehen, also war Fleetwood Mac für ihn nie mehr als eine Zwischenstation. Aber ich habe Rick so kennengelernt, wir sind immer in Kontakt geblieben und es war immer sehr leicht für mich, mit ihm zu arbeiten.

 

ZeitPunkt: Vor ein paar Jahren erschien die DVD "The Mick Fleetwood Story" - mit ein paar unterhaltsamen Einsichten, u.a. in die Frauengeschichten in Fleetwood Mac - Deine Frau hatte eine Affäre mit einem aus der Band, Du hattest eine Affäre mit Stevie Nicks und hast aber letzten Endes ihre Freundin geheiratet... Deine Töchter müssen manch harte Zeit durchgemacht haben. Gibt es Sachen, die Du bereust?

Mick Fleetwood: Es gibt keinen Zweifel, wenn man jung ist, ist man sehr leicht sehr selbstsüchtig. Alles dreht sich nur ums Spielen und Aufnehmen, man wird erfolgreich, das Leben ist wirklich verrückt, da ist man schnell auch egoistisch. Man fragt sich nicht, ob man ein treuer, verantwortungsvoller Familienvater ist. Nein, war ich nicht, aber es gab einfach Sachen, die mir damals wichtiger waren, als meine Familie - und das war die Band. Und das bereue ich nicht, aber heute weiß ich, daß es wichtig ist, auch zuhause zu sein. Heute nehme ich mir die Zeit, aber heute bin ich ja auch alt und weise.

 

ZeitPunkt: Jede Menge Pläne - die Tour mit Rick, ein neues Album, eine Riesentournee mit Fleetwood Mac, ich bin überrascht. Wie lange kannst Du das so weiter machen?

Mick Fleetwood: Frag das mal BB King! Es ist in unserem Blut! Dies ist, was wir machen und wir lieben es. Und in dieser Blues-Band ist es wirklich die optimale Möglichkeit, wieder reinzukommen, und ich möchte auch die Fans wieder treffen, vor allem in Europa, wo sie noch viel loyaler sind, als in Amerika. Und Du kannst dir vorstellen, wie wichtig dieses Feedback für einen Musiker ist.