Neulich in Belgien

© Senator

Lieben in Moscou - Nein, glücklich ist Matty wirklich nicht. Das sieht man ihr vom ersten Moment an, als sie mißmutig den Einkaufswagen durch die Gänge schiebt, flankiert von ihren Kindern, dem introvertierten Nesthäkchen Peter und der vorlauten Fien. Die 17jährige Vera ist schon gar nicht mehr mit von der Partie, und auch der Vater hält sich fern. Denn er ist mit seiner jüngeren Freundin durchgebrannt und ließ die Familie in der trostlosen Vorstadtsiedlung Moscou am Rande Gents sitzen.

Ab und zu übernimmt er die Kinder und reagiert auf die Launen seiner Ex mit einem hilflosen Hundeblick. Als die frustrierte Matty den Wagen auf dem Parkplatz des Supermarkts zurücksetzt, kommt es, wie es kommen mußte: sie knallt in den LKW des Fernfahrers Johnny. Der verbale Schlagabtausch setzt ungeahnte Sympathien frei. Johnny läßt nicht locker und ringt Matty ein Date ab. Die 41jährige reagiert zunächst unbeholfen auf den Charme des 29jährigen Rotschopfs. Als sie sich jedoch ihren eigenen Gefühlen hingibt, muß sie sich plötzlich entscheiden zwischen dem, was ihr gut tut und dem, was die anderen von ihr erwarten.

"Das war irgendwie echt", reagiert Veras Freundin einmal auf den liebestollen Johnny und trifft damit den Nerv des Films. Alle Charaktere in dem Regiedebüt des Belgiers Christophe van Rompaey wirken wie aus dem Leben gegriffen. Aus den alltäglichen Problemen entspinnt sich eine wundervolle Romanze, die mit sympathischem Humor glänzt und niemals aufgesetzt wirkt. Die "Kollision in Moscou" - so der wesentlich passendere Originaltitel - entwickelt sich so zum Glücksfall für uns alle.
 
von Lars Tunçay
 

Start: 16. Oktober 2008

Genre: Komödie

Dauer: 102 Minuten

Verleih: Senator