Red Dead Redemption

- © Take-Two Interactive
John Marston läuft mit langem Ledermantel bekleidet durch die staubigen Straßen von Armadillo. Es scheint ein Tag wie jeder andere zu sein. Hier und da lungert man vor den Hauseingängen herum und im Saloon bricht mal wieder eine Schießerei aus, weil so ein Greenhorn immer noch glaubt, das Pokern mit gezinkten Karten lohne sich.
"Sir bitte helfen Sie mir! Pferdediebe haben meinen besten Gaul geklaut." schreit es nur wenige Meter weiter. Ein aufgebrachter, aber scheinbar ehrbarer Bürger kommt herbeigerannt und wendet sich an Mr. Marston. Ein kurzer Pfiff genügt und Marstons Gaul steht bei Fuß. Elegant schwingt sich der Cowboy auf sein Pferd und nimmt sofort die Verfolgung auf. Es vergeht nicht viel Zeit, bis er samt gestohlenem Pferd und gefesseltem Dieb zurückkommt.
Der Dank ist ihm sicher und sein Ansehen in der Stadt um ein paar weitere Punkte gestiegen. Ansehen, das der Ex-Halunke John Marston bitter nötig hat. Vor wenigen Tagen verschleppte man seine Familie und versprach ihm, daß er sie erst wiedersehen würde, wenn er seine ehemaligen Bandenkollegen ans Messer liefern würde. Also machte er sich auf nach Armadillo, um seine Familie zu retten.
Wie die ersten Zeilen sicherlich schon verraten haben, spielt "Red Dead Redemption" im Wilden Westen. Daß die Entwickler der GTA-Serie ihre Finger im Spiel haben, fällt schon in den ersten Spielminuten auf. Denn im Grunde genommen spielt sich das Spiel wie ein "Wild West GTA". Natürlich ist man nicht mit Autos sondern mit Pferd, Kutsche oder mit der Eisenbahn unterwegs. Und erstaunlicherweise funktioniert dieses Spielprinzip hervorragend. "Red Dead Redemption" ist ein sogenanntes Open World-Spiel, welches dem Spieler die größte, denkbare Handlungsfreiheit gibt.
Einschränkungen gib est anfangs zwar auch, diese heben sich allerdings im weiteren Spielverlauf auf. So kann man nicht von Anfang an alle Orte bereisen und erlernt einige Fähigkeiten erst nach ein paar Spielstunden. Ansonsten steht dem Spieler eine riesige Spielwelt zur Verfügung, in der er sich frei bewegen kann. Natürlich haben seine Handlungen direkte Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf. Seine Mitbürger werden sich ihm gegenüber je nach erreichtem Ruhm und Ehre anders verhalten.
Zudem landet man schnell auf der Kopfgeldliste, wenn man sich bei illegalen Handlungen erwischen läßt. "Red Dead Redemption" schafft es wie bisher kein anderes Spiel, die trockene und raue Western-Atmosphäre nahezubringen. Manchmal glaubt man wirklich, Teil eines Drehbuchs für "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Für eine Hand voll Dollar" zu sein. Egal ob es die grandiose Steppenlandschaft, die authentischen Städte mit all ihrem Treiben, oder die skurrilen Charaktere sind, alles paßt sich zu einem Ganzen zusammen und vermittelt stets das Gefühl, mittendrin zu sein. Die Entwickler haben sich redlich bemüht, das Spiel so unberechenbar zu gestalten wie möglich. Wird Mr. Marston zum Beispiel auf seiner Reise von einem wilden Tier oder wegelagernden Banditen überfallen und stirbt, heißt das noch lange nicht, daß er nach erneutem Laden an selber Stelle wieder auf diese Widersacher trifft.
Man weiß also nie, was einen an der nächsten Ecke erwartet. Die Hauptmissionen, die die Story vorantreiben, laufen natürlich nach einem festen Skript ab. Sonst bietet das Grenzland des Wilden Westens wirklich eine Menge Abwechslung mit einer Vielzahl von Minispielen und Nebenquests. Die grafische Präsentation befindet sich auf höchstem Niveau und läßt keinerlei Anlaß zur Kritik. Wenn man überhaupt nach dem Haar in der Suppe suchen möchte, dann kann man es bei kleineren Programmierfehlern und den sich etwas zu stark ähnelnden Missionen in der Hauptquest suchen. Aber auch diese Kritikpunkte können Red Dead Redemption nicht wirklich vom Thron stoßen.
Preis: ca. 50 Euro
Vertrieb: Take-Two Interactive

