Rheingold auch an der Saale

- © Theater Ludwigshafen
Halles Orchesterchef Karl-Heinz Steffens, Chef auch der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, brachte den Regisseur und Intendanten des ensemblelosen Theaters im Pfalzbau Ludwigshafen/Rhein mit dem Hallenser Ensemble zusammen: das "Rheingold" ist fast komplett mit eigenen Kräften besetzt worden. Angekündigt ist das mit dem Attribut einer "deutsch-deutschen Koproduktion", 21 Jahre nach dem Fall der Mauer ein Vokabular.
Hansgünther Heyme hat sich als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner in einem, aus welchem triftigen Grund auch immer, die Bühne halbiert. Links eine Scheinwerferbrücke, darunter abgelagert wie im Magazin alle Requisiten, die im Verlauf des Abends mitspielen. Rechts eine Wand mit Nummern, eine abgestellte alte Systematik. Dass es die Wand der Überreste von Toten, deren letzte Accessoires die in den nummerierten Schiebern gelagert werden, erfahren wir nach dem ersten Todesfall. Aus dieser Wand wird uns noch Erda erscheinen, gespielt und stimmstark gesungen von der zierlich-schlanken Julia Faylenbogen, auf einem herausgeklappten Balkon im Rotlichtmilieu, entsprechend spärlich bekleidet. Im ältesten Gewerbe der Welt begegnet uns die Urmutter.
Zuvor haben uns zwei Kinder aus dem Geschichtsbuch von der Weltesche vorglesen, die beiden werden immer mal wieder eingreifen und die Mythen helfen. Gleich vor dem Kneippbecken der Rheintöchter, respektive Saale-Nixen, dem sie trocken entsteigen, wird im Verlauf der Handlung immer mal wieder bühnenbreit eine Feuerspur zwischen Szenerie und Parkett gelegt, wenn Loge das will.
Im Kampf gegen Alberich mit Tarnkappe und Kröte werden nicht wir als Zuschauer in Illusionen versetzt, der Zwerg ist von Statur und Stimme auch kein Zwerg, sondern ein großer, schlanker Körper im Anzug, mit langen Haaren und raumfüllender Stimme. Dieser Alberich von Gerd Vogel wartet nicht ab, er hat gewöhnlich die Sache im Griff.
Nibelheim wird von einer Brücke dargestellt, wie sie in Beleuchtergalerien von Bühnenhäusern zu finden ist. Videoschnipsel zeigen die Arbeit im Untergrund, warum da noch eine Reihe Kinder hinzu kommen muss, oder aber die Videoschnipsel nicht durchweg ersetzt, bleibt offen.
Herabschwebende Engel, teils menschlich-beweglich, teil starr, künden von der Anmut historischer Elfenreigen-Ölschinken. Walhall als Götterburg mit einem Regenbogen als Brücke wird in bunten Tüchern angedeutet, denen Loge per Ventilator Wind macht. Vorahnung der neuen Macht sind Wertpapiere, die schon gezählt und sortiert werden.
In den Orchestergraben sind zu beiden Seiten Podeste eingebaut, einige Musiker sitzen doppelstöckig, je vier Musiker oben, die Harfen hören wir von oben aus der Seitenloge.
Gesungen wird, angefangen bei Gérard Kim als Wotan, durchweg vortrefflich und aufeinander abgestimmt mit dem raumverteilten großen Wagner-Orchester. Paul McNamara gibt den doppelbödigen Loge. Riesen, eher mit Stimmen, als aus Kostümen, sind Alexander Vassiliev und Christoph Stegemann.
Nur Staffage macht die Riesen übergroß. Mülltüten dienen den Göttern in Ruhestunden als Zudecke. Und Alberich kommt, zeitweise, in den blauen Sack.
Auf den Fortgang dieses szenisch und musikalisch achtbaren RINGs ist man gespannt.
von Karsten Pietsch

