Risen

- © Deep Silver
Um über Risen berichten zu können, wird man um einleitende Worte über den deutschen Entwickler Piranha Bytes nicht herumkommen. Dieser hatte in Sachen Action-Rollenspiel mit "Gothic 1 & 2" wahre Meilensteine geschaffen und war mit dem dritten Teil der Gothic-Reihe so stark in die Kritik geraten, daß er sich von seinem österreichischen Publisher JoWooD trennen mußte. Bereits kurze Zeit später verkündete man bei Piranha Bytes, daß man an einem neuen Projekt arbeite. Nun, nachdem zwei Jahre ins Land gezogen sind, steht mit "Risen" der neuste Rollenspielhit des deutschen Entwicklers in den Regalen.
Das Spiel beginnt in der Gischt des tosenden Meeres. Der namenlose Held des Spiels hatte gerade Schiffbruch erlitten und ist mit seiner Freundin an den Strand einer unbekannten Insel geschwemmt worden. Schnell wird klar, daß es auf diesem Eiland nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Menschen dort leben in Panik. In den letzten Tagen erheben sich immer wieder seltsame Tempelbauten aus dem Erdboden, die zu allem Überfluß eine böse Macht mit all ihren schrecklichen Kreaturen freilegen. Um das Leben trotzdem irgendwie zu organisieren, haben sich die Menschen in Fraktionen unterteilt.
Da ist zum Beispiel die Inquisition, die einen Großteil der Menschen in der Hafenstadt gefangenhält. Eng an ihrer Seite arbeiten die Magier, die zwar andere Ziele verfolgen, aber dennoch eine Art Zweckbund mit den Inquisitoren hegen. Eine weitere Fraktion bilden die Banditen, die sich im Widerstand gegen die Inquisition üben. Um hinter die mysteriösen Vorgänge auf der Insel zu kommen, und natürlich auch, um seine eigene Haut zu retten, muß sich der Spieler früher oder später einer dieser Fraktionen anschließen. Man braucht nicht lange in der Welt von "Risen" zu verweilen, um zu bemerken, wessen Handschrift dieses Spiel trägt. Piranha Bytes hatten schon im Vorfeld angekündigt, daß man zu den Wurzeln zurückkehren wolle. Das ist ihnen mit "Risen" bestens gelungen. Die Parallelen zu den ersten beiden Gothic-Teilen sind unverkennbar.
Besonders bemerkbar macht sich dieses bei den unterschiedlichen Fähigkeiten, die der namenlose Held auf seiner Reise erlernen kann. So kann er zum Beispiel schmieden, Schlösser knacken, Tiere ausweiden oder sich im Taschendiebstahl versuchen. Das alles sind Dinge, die sein ebenfalls namenloser Kollege in der Gothic-Serie auch erlernen konnte. Im Falle von "Risen" wird klar, daß es nicht immer notwendig ist, ein Spiel mit Innovationen vollzupacken. Vor allem dann nicht, wenn man bereits eine gut funktionierende Grundlage hat. "Risen" bedient die Anforderungen an ein gelungenes Rollenspiel ohne mit verschnörkeltem Drumherum zu blenden.
In Sachen Grafik verhält es sich ähnlich. Die Landschaften mit ihren Tag- und Nachtwechseln sowie den unterschiedlichen Wetterverhältnissen sind atmosphärisch hervorragend in Szene gesetzt und legen eine Detailverliebtheit an den Tag, wie man es nur selten sieht. Dennoch kann man aus technischer Sicht sagen, daß auch hier keine neuen Referenzen geschaffen wurden. Der Soundtrack bietet dank Kai Rosenkranz wieder eine hervorragende Soundkulisse. Darüber hinaus gibt es wieder eine gewohnt professionelle Vertonung der einzelnen Charaktere.
Fazit: Mit "Risen" ist sicherlich kein Meisterwerk der Innovationen entstanden, dafür ein Spiel, welches dank alter Rollenspieltugenden für lange Zeit an den Bildschirm fesseln wird.
Preis: ca. 50 Euro
Vertrieb: Deep Silver

