"Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut"

© Kammeroper Leipzig

Kammeroper Leipzig - Theater der jungen Welt in der Moritzbastei. Unterm Gewölbe der Moritzbastei stehen Bankreihen, vorn ist eine Art Rumpelkammer. Wenn die Akteure Totenköpfe in die Hand nehmen, wähnt man sich bei Hamlet ... Alle kennen die Geschichte vom Drachentöter Siegfried und dessen Unverwundbarkeit, wenn da nicht das Lindenblatt gewesen wäre.

Doch wie war das noch mit Fricka, Brünnhilde, Hagen und Gunther? Also lassen wir es uns doch besser noch einmal erzählen. Recht so. In "Siegfried – Götterschweiß und Heldenblut" wird das ganze Germanical, getextet von Alexander Liegl, Manfred O. Tauchen und Gabi Rothmüller, inszeniert von Anne Klinge, schlicht und einfach zum Leben erweckt. Violetta Czok, Dirk Baum, Matthias Klaußner und Wilfried Reach, vornehm schwarz gekleidet, spielen sich selbst nur mit den Stimmen in den Vordergrund, die Charaktere überlassen sie den Gegenständen und den hinreißenden Puppen von Werner Müller mit ihren dreisten Gesichtern und leicht vergammelten Kleidungsstücken, die schon bessere Epochen gesehen haben.

Verena Guido hat Lieder getextet und Musik komponiert, zu allem Überfluss kommt kurzzeitig auch Musik von Richard Wagner zum Einsatz. Am Ende ist die Legende von Siegfried und den Nibelungen lebendig wie eh und je. Und so lange sie erzählt werden wird, ist auch Richard Wagner mitschuldig, dessen Leipziger Denkmalssockel nun zwischen Feuerwehr und Stasiunterlagenbehörde steht. Auf Max Klingers Sockel soll hinter dem bronzenen Mannsbild ein großer schwarzer Schatten stehen. Da lacht der Drache.

von Karsten Pietsch