Sommertheater Fact in Webers Hof

© Webers Hof

Shakespeares "Stürmchen" Es geht um Macht, Thronfolgen und Eifersucht. Mit dem Boot wurden Störenfriede auf dem Meer ausgesetzt und zwölf Jahre später werden neue Herrschaften vom Sturm überrascht und an Land gespült auf dieselbe Insel. Fünf Leute tragen unter der Regie von Ev Schreiber den ganzen Abend, junge Darsteller, die auf die Bühne stürmen – in wechselnden Rollen, Charakteren und Kostümen. Caliban ist hier keine Missgeburt, halb Fisch, halb Mensch, wie der alte Schauspielführer uns weismachen will, sondern ein jugendlicher Tarzan mit freier Brust und wehendem Haar.

Uwe Kraus ist der technisch versierte, doch menschlich veraltete Sturmmacher Prospero. Und dann ist er aber auch der ewig betrunkene Stephano. Spielerisch entdecken wir, dass der Luftgeist Ariel, gezeigt von Julia Shvets, sich mit Pfeiftönen oder Sprache verständigen und unsichtbar machen kann, sodass wir ihn sehen und mancher nicht. Es sind Figuren, die für jeden Darsteller abgesetzt sind, ja, hier kann man auch sagen, sie verstellen sich. Robert von Marck, gerade noch der junge Tarzan mit wehendem Haar, dann streng in Uniform der Antonio, der mit aufgeblasenen Backen mehr röchelt, als dass er spricht.

Arthur Oppenländer hat als Ferdinand und Sebastian zu tun, verkörpert den Bruder und auch den Sohn des Königs. Meike Sigune Frevel kriegt als Miranda den dritten Mann, den sie überhaupt sieht, zum Manne, und als Schiffsjunge Trinculo hat sie auch eine gute Figur gemacht. Es wird exzellent gesprochen, klar, kraftvoll, den herrlichen Hof mit seinen Vor- und Nachteilen nutzend.

Vielleicht wird das, der Umgang mit Sprache auf der Bühne, auch einmal eine Leipziger Schule genannt werden. Udo Nebel hat auf dem Prospekt Meer und Gischt schäumen lassen und einen beinahe seetüchtigen Kahn samt Segel in Barthels Hof gestellt, Karo Schreiber arbeitete mit ihren einfachen und sinnlichen Kostümen den Akteuren charakterlich zu. Klar sind die Seeleute blauweiß gestreift, der heulende Prinz schillert in weiß und buntem Samt, Luftgeist Ariel schwebt im blauen Kleid. Max Schreiber hat die Musik eingespielt, gesammelt und gesampelt.

von Karsten Pietsch