Staatsratsvorsitzende küsst man nicht

- © Kabarett academixer
Kabarett academixer - Mehrdeutig-versprecherisch ist es nicht, wenn das neue academixer-Programm heißt: "Staatsratsvorsitzende küßt man nicht". Im 21. Jahr der neuen deutschen Einheit heißt es als Erklärung: „Skurrilverdrehte Ossi-Wessi-Fiktion“. Ab 30. Januar kann man sich schlau machen, wenn man nicht weiß, wer ein Staatsratsvorsitzender war. Es soll sogar darum gehen, daß der alte Westen ebenso dem alten Osten beigetreten ist und Aufbauhelfer von hier nach dort und andersrum entsandt worden sind. Satire eben.
Diese hier kommt vom Berliner Kabarett "Die Distel", das seinen Sitz so gut wie im Bahnhof Friedrichstraße hat und die große alte Dame des DDR-Kabaretts war. Texte von Martin Maier-Bode, dem künstlerischen Leiter zu Berlin, werden von ihm selbst in Leipzig noch einmal inszeniert. Angela Schlabinger, eine aus Dresden zugewanderte frühere Rostockerin, Stefan Bergel aus Berlin und der in Leipzig schon Impro-Theater-bekannte Thorsten Giese werden als neue Schauspieler das academixer-Ensemble ergänzen. Denn Geschäftsführer Klaus Kitzing will die academixer ausbreiten, das heißt mehr spielen. Anderswo und in der Kupfergasse. Mehr als 153 Sitzplätze gibt’s nicht in den eigenen Hallen, denen der Chef gern mehr vom historisch erhaltenen Chic der Messehaus- Empfangshallen á la Art Déco reparieren und erhalten würde, als gerade möglich ist.
Seit letztem Sommer ist Frank Voigtmann als künstlerischer Leiter an Bord. Ein paar Programme hat er hier schon einstudiert, viel größere Theaterstücke anderswo gespielt und inszeniert, gerade ist im Theater Gera-Altenburg "Charley’s Tante" dran. "Wahre Freude ist eine ernste Sache", steht im Gewandhaus an der Orgel. Der Voigtmann hat das drauf. Und dann werden die academixer 45 Jahre alt, das einstige Universitätskabarett, mit den derzeit Immatrikulierten. Und da will es mit seinem Publikum spielen. Auf die Bühne kommen Autoren, die irgendwann mit den academixern zu tun hatten.
Mit anderen Texten, anderen Fassungen, anderen Darstellern. 45 Kugeln samt einstudierten Nummern sind im Lostopf. Die Ziehung bringt jeden Abend eine andere Auswahl. Am 27. Februar erfolgt die erste Gewinnausschüttung unter dem Titel "Das wird’s Beste sein!" Es spielen in großer Brettl-Besetzung Carolin Fischer, Anke Geißler, Katrin Hart, Ralf Bärwolff und Peter Treuner. Und, wie könnte es anders sein, irgendwann gibt es den langen, langen academixer-Tag mit allen 45 Nummern hintereinander.
von Karsten Pietsch

