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"It's Been A While" war der Hit, mit dem sie 2001 in Europa bekannt wurden, als sie in Amerika von ihrem Vorgängeralbum bereits eine Million Exemplare abgesetzt hatten. Seit dem gehört die Band um Sänger Aaron Lewis und Gitarrist Mike Mushok zu den Big Playern im Alternative Rock Genre. Jetzt erscheint ihr sechstes Album "The Illusion Of Progress". ZeitPunkt-Redakteur Ralf Koch sprach mit Mike Mushok.
ZeitPunkt: "Its Been A While" - Es ist wirklich eine Weile her seit Eurem letzten Album - was hat Euch so beschäftigt?
Mike Mushok: Nun, zunächst waren wir gut eineinhalb Jahre auf Tournee und um ehrlich zu sein, danach haben wir eine Pause eingelegt. Meine Frau hat Zwillinge bekommen und ich habe eine Zeit damit verbracht, Vater zu sein, Aaron war mit Soloakustik-Shows unterwegs, dann haben wir letztes Jahr wieder ein bißchen live gespielt und dann sind wir wieder zusammengekommen und haben angefangen, neue Songs zu schreiben.
ZeitPunkt: Herzlichen Glückwunsch zu Deinen Zwillingen - Du sprichst mit einem "Leidenspartner"...
Mike Mushok: Die ersten Monate sind unglaublich, oder? Der Hammer. Aber sie sind jetzt 20 Monate alt, da sind sie aus dem Gröbsten ja schon wieder raus (lacht). Das ist so ein tolles Alter. Und ich habe einen Jungen und ein Mädchen, und es gibt wirklich nichts Besseres. Mein Sohn ist der absolute Junge, will alles sehen und kuckt jedem Truck und jedem Auto hinterher und meine Tochter liebt Blumen und hübsche Sachen, kann sich stundenlang ein Buch ankucken, und er kann gar nicht genug Programm bekommen, und das ist wirklich spannend.
ZeitPunkt: Das kann ich mir vorstellen. Ich habe zwei Mädchen. Aber ich fürchte, wir müssen die Zeit vor allem nutzen, um über die Band zu sprechen... Ist eigentlich jedes Album eine Reaktion auf das letzte?
Mike Mushok: Ich weiß es nicht, eigentlich steht da keine bewußte Entscheidung dahinter, für mich zumindest nicht. Ich arbeite an Ideen, schreibe Songs und gehe damit zu den Jungs um zu sehen, was sie davon gut finden. Der einzige Unterschied für mich war: In der Vergangenheit habe ich daneben noch viele Songs auf dem Bariton, einer tiefer gestimmten Gitarre geschrieben, dadurch war die Spanne etwas größer. Für dieses Album habe ich den Großteil auf einer Standardgitarre geschrieben, weswegen wir im Prinzip nur zwei Tonarten haben. Das war eine bewußte Entscheidung und eigentlich die einzige - aber das hat natürlich mit dem Vorgängeralbum nichts zu tun.
ZeitPunkt: "Dysfunction" wird in der Regel als Euer "Durchbruchs"-Album angesehen - aber war es nicht eher der Song "Its Been A While", der Euch wirklich auf breiter Front bekannt gemacht hat?
Mike Mushok: Absolut, keine Frage. Ich glaube auch, vor allem in Europa, denn da passierte mit "Dysfunction" noch nicht sehr viel. Also hat dieser Hit natürlich noch viel mehr verändert. Aber
trotzdem haben wir von "Dysfunction" eine Million verkauft - und Platinstatus mit einem Debüt, das hat nicht einmal das Label erwartet.
ZeitPunkt: Die neue Single "Believe" ist wohl
einer der Staind-typischsten Songs auf dem neuen Album...
Mike Mushok: Und schon deswegen die offensichtliche Single-Entscheidung, weil das Label natürlich den Wiedererkennungswert haben will. Aber das Album ist so viel mehr. Das Problem mit dem Musikbusiness heute ist ja, daß die Leute sich einfach nur noch die Singles runterladen. Ich meine, wir machen uns so viel Arbeit, ein Album mit 12, 14 Songs einzuspielen, auszuwählen etc. und die Leute kaufen sich einfach nur die Single. Und ich weiß ganz genau, daß die Songs, die mir am meisten am Herzen liegen, niemals Singles sein werden.
ZeitPunkt: Das erste, was zum Album zu lesen war, waren Infos über die Pink Floyd-Elemente darauf - ich meine, ihr habt "Comfortably Numb" schon lange auf Euren Setlists gehabt, aber wie paßt das mit
Staind zusammen?
Mike Mushok: Das ist schwer zu sagen. So hat es sich entwickelt. Das neue Album hat ja auch Blues-Songs, es gibt Blues-Solos, Hammond-Orgel-Passagen, einen Chor, Pedal-Steel Gitarre - wir haben wirklich versucht, jedem Songs das mitzugeben, was sie brauchten, ohne darauf zu achten, ob wir irgendein Genre oder Klischee bedienen müßten.
ZeitPunkt: Hat auch was mit Wachsen zu tun, oder?
Mike Mushok: Oh sicherlich! Um ehrlich zu sein, für mich ist das auch ein Zurückgehen zu meinen Wurzeln, zu meinen früheren Einflüssen - nur daß ich früher niemals in der Lage war, die so gut auszuarbeiten (lacht).
ZeitPunkt: Apropos ausarbeiten - Ihr nennt das neue Album Eure "musikalischste" CD - kannst Du das näher erläutern.
Mike Mushok: Wir haben die Bass- und Schlagzeug-Spuren vor Weihnachten aufgenommen - und bis Mai die Songs zu Ende gefeilt. Das sind 4, 5 Monate, an denen wir wirklich immer wieder an einzelnen Teilen gearbeitet haben - einfach, um dieses Album so variabel und breit zu machen, wie noch kein Album zuvor.
ZeitPunkt: Die Texte waren schon auf "Chapter V" optimistischer geworden - kannst Du etwas zu den neuen Songs sagen?
Mike Mushok: Klar. Wir sind lange in eine Schublade gesteckt worden, auf der stand "dunkel, depressiv" und bislang ist es uns nicht gelungen, da wieder raus zu kommen. Ich hoffe, wir können mit dem neuen Album da einen Schritt weitergehen. Natürlich ist es immer einfacher, ein Label einfach zu benutzen und sich keine Gedanken zu machen, ob es noch stimmt. Ich kann nur hoffen, daß sich die Leute das neue Album anhören, denn es hat deutlich mehr Gewicht, als man uns lange zugeschrieben hat.
ZeitPunkt: "Dysfunction" ist jetzt knapp 10 Jahre her... fühlt es sich wie zehn Jahre an?
Mike Mushok: Es fühlt sich wie ein ganzes Leben an. Es fällt mir schwer, mich an das Leben vor Staind zu erinnern. Wir machen diese Band seit 1994 und es ist wirklich ein Wahnsinn, daß wir seit dem immer noch zusammen sind und zu sehen, was wir damit alles erreicht haben.

