Steve Lukather

© Steve Lukather

ZeitPunkt: Die Tour ist länger als alle Deiner Solo-Tourneen jemals!

Steve Lukather: Das stimmt, solo war ich noch nie so lange am Stück unterwegs; wir werden für ca. zwei Jahre unterwegs sein! Aber jetzt hab ich die Zeit.

 

ZeitPunkt: Das heißt für Toto erstmal eine längere Pause?

Steve Lukather: Nein, das heißt für mich gibt es kein Toto mehr - ich habe Toto verlassen! Es war einfach nicht mehr dieselbe Band. Ohne Paich und ohne die Porcaros war ich der einzige, der wirklich vom ersten Ton dabei war. Und nach 26 Monaten auf Tournee, nach 32 Jahren Toto hatte ich keine Lust mehr, "Africa" und "Rosanna" weiterzuspielen - mit Leuten, die nicht dazugehören. Es fing an, als Jeff Porcaro starb. Mein Herz hängt jetzt an anderen Dingen. Ich möchte sehen, wie weit ich als Solokünstler kommen kann.

 

ZeitPunkt: Das ist ein großer Schritt!

Steve Lukather: Ja, aber ich fühle mich gut damit. Ich meine, ich hab das noch nicht an die große Glocke gehängt, aber ich will mich jetzt auf meine Solokarriere konzentrieren. Ich mache die Musik, die ich machen möchte, arbeite, wann ich es will und mit wem ich will. Vielleicht hat das damit zu tun, daß ich fünfzig geworden bin, daß ich mir überlegt habe, was ich mit meinem Leben noch machen möchte. Ich möchte keine Hure sein, die Hits spielt, um andere Menschen glücklich zu machen. Ich bin ein Musiker, ein Künstler.

 

ZeitPunkt: Was ist jetzt mit den anderen Mitgliedern von Toto?

Steve Lukather: Sie machen alle ihre eigenen Sachen. Simon hat eine Jazz-Fusion-Band und arbeitet an einem neuen Album. Bobby glaube ich, auch, aber ich weiß es nicht genau. Ich wünsche ihnen allen das Beste, aber es geht mich momentan auch nichts an.

 

ZeitPunkt: Die aktuelle Tour heißt "No Jazz"-Tour, das klingt zumindest nach bewährten Sounds!

Steve Lukather: Das stimmt, ich plane, die ganzen Rock-Sachen meiner Soloalben zu spielen, dazu wird es durchaus ein paar Toto-Songs geben, aber eben nicht die Klassiker, sondern eher die anderen interessanten Stücke, die ich geschrieben, gesungen und gespielt habe. Auch Sachen, die ich für andere Künstler geschrieben habe, es wird also schön abwechslungsreich. Ich möchte die Leute überraschen, nach dem Motto "ich kann nicht glauben, daß er das gespielt hat"... (lacht). Du weißt, was ich meine.

 

ZeitPunkt: Du hast acht Soloalben veröffentlicht...

Steve Lukather: Gut, daß Du das sagst, ich hätte es jetzt nicht so schnell beantworten können. Ich habe auf so unendlich vielen Alben gespielt...

 

ZeitPunkt: Das letzte war mit El Groupo...

Steve Lukather: Das war richtig Spaß, das war eigentlich nur eine Jam-Band und auch das Album war kein ernstzunehmendes Album. Aber wir hatten sehr viel Spaß!

 

ZeitPunkt: Und wenn Du Deine neue Tour die "No Jazz"-Tour nennst, bezieht sich das ja wohl in erster Linie auf die letzte Tour mit El Groupo, oder?

Steve Lukather: Ja, das stimmt. Ich meine, es gab wirklich begeisterte Stimmen, aber da war wohl durchaus der ein oder andere, der mehr Songs erwartet hätte, als irgendwelche spontanen 20-minütigen Jams mit großartigen Musikern auf der Bühne. Also wollte ich schon im Namen klarstellen, daß ich auf dieser Tour solche Spielereien nicht vorhabe. Diese Tour wird eine RocknRoll-Direkt-ins-Gesicht-Tour - was aber bestimmt nicht weniger Spaß wird.

 

ZeitPunkt: Wer ist in der Band?

Wir haben eine ganz verrückt junge, coole Band, fantastische Musiker, neue Leute, das werden sehr inspirierende zwei Jahre. Die Leute, mit denen ich das Album aufgenommen habe, stehen ja alle mit anderen Leuten auf der Bühne - Paul McCartney etc.

 

ZeitPunkt: Die Website sagt, das aktuelle Album ist Dein bestes.

Steve Lukather: Nun, das sagt sich natürlich immer leicht über ein aktuelles Album, aber Tatsache ist, daß es mein erstes Rock-Album mit Gesang seit zehn Jahren ist, und wir hatten tolle Leute bei den Aufnahmen, mein Sohn hat ein paar Songs mit mir geschrieben, wir hatten fantastische Aufnahme-Sessions, es paßte wirklich vieles zusammen. Wir haben es einfach fließen lassen, ich habe nicht versucht, irgendwelche Hitsingles zu schreiben, sondern wollte einfach ein künstlerisches Album machen, und ich glaube, das ist mir gelungen.

 

ZeitPunkt: Ein Statement von Dir war, daß Dein Solomaterial komplett anders ist, als Toto - paßt das auf das neue Album?

Steve Lukather: Natürlich gibt es auch viele Parallelen - ich bin der Autor, der Sänger, der Produzent von so vielen Toto-Songs, das kann man nicht einfach ablegen. Aber dieses Album ist wirklich entspannt, ich habe mich getraut, zu experimentieren - ich würde sagen, dieses Album reflektiert, wo ich als Musiker stehe.

 

ZeitPunkt: Es reflektiert im Prinzip auch alles, was Du in den letzten 30 Jahren als Musiker gemacht hast, oder?

Steve Lukather: Hmm. Es definiert mich als Musiker, der ich bin. Ich habe nie versucht, das Rad neu zu erfinden, sondern habe Musik gemacht, die ich gut finden würde und von der ich gehofft habe, daß es auch ein paar andere gibt, die das mögen. Ja, man kann durchaus ein paar Einflüsse hören, denke ich.

 

ZeitPunkt: Ein paar Deiner neuen Songs haben auch wieder dieses typische Westcoast-Feeling...

Steve Lukather: Hey, da komme ich her, ist es da überraschend? Aber was ist Westcoast? Interessante Akkordfolgen und Breaks in einer eingängigen Melodie, gespielt von Musikern, die spielen können, anstatt wie Pop-Sternchen auf der Bühne herumzuhampeln? Ein Sommer-Sound, der nur in Kalifornien entstehen kann?

 

ZeitPunkt: Nun, Westcoast wird man im Prinzip auf Ewigkeit mit Toto in Verbindung bringen - gleichzeitig waren Eure letzten Alben eher Rock-Alben, als daß man sie dem Westcoast-Sound zuordnen könnte, oder?

Steve Lukather: Wir haben nie versucht, irgendeinen bestimmten Sound zu machen. Das letzte Album ist als Band entstanden, und wir saßen zusammen in einem Raum, haben gespielt und an einem Tag entstand eine Ballade, an einem anderen ein Rock-Song.

 

ZeitPunkt: Als wir uns zuletzt getroffen haben, warst Du sehr enthusiastisch über das letzte Toto-Album.

Steve Lukather: Ja, ich denke auch immer noch, es war eine tolle Scheibe, die man so als letztes Album stehen lassen kann. Es ist auch gut angekommen, die Tour war gut besucht - und ich bin auch froh, daß wir das noch gemacht haben, denn die beiden Alben davor waren nicht so prall. Aber mit der Tour kamen die Probleme. Mike Porcaro schied während der Tour aus (Verletzung an der linken Hand; Anm.) und er ist auch immer noch nicht wieder fit, wir haben unseren Manager gefeuert, und auch damit war ich nicht so richtig glücklich, die Luft war eigentlich schon nach der Hälfte raus, aber ich wollte die Jungs ja auch nicht hängen lassen, also habe ich noch bis zum Ende durchgehalten.

 

ZeitPunkt: "Tambu" gehörte ja immer zu Deinen Lieblingsalben von Toto.

Steve Lukather: Wir hatten sehr viel Spaß, es aufzunehmen und haben ein paar schöne Sachen ausprobiert darauf. Und es hatte gute Songs, ja.

 

ZeitPunkt: Es war auch das letzte vor der Rückkehr von Bobby Kimball - also das letzte mit Dir als alleiniger Frontmann - was dann wieder die Parallele zu Deiner Solokarriere ist.

Steve Lukather: Ja, und ich spiele bestimmt auch was von dem Album live. Aber ich habe keine Lust mehr auf die 99s, Georgy Porgys, Rosannas, Pamelas, Hold The Lines - diese Sachen haben wir wirklich zu Tode gespielt, die spiele ich nie mehr!

 

ZeitPunkt: Sage niemals nie!

Steve Lukather: Ok, sagen wir also nicht in der für mich absehbaren Zukunft, du hast Recht, niemals ist eine lange Zeit.

 

ZeitPunkt: Diese Tour ist also der Beginn des zweiten Teils Deines Lebens?

Steve Lukather: Ja, ich fange langsam an. Ich mache mir nicht vor, irgendwelche Arenen füllen zu können, aber das macht mir nichts. Ich werde hart dran arbeiten, aber ich spiele lieber in kleinen, aber vollen Häusern. Ich sehe das so: Ich habe 32 Jahre an einem Buch gearbeitet, jetzt starte ich mein neues.