Still Walking

© Kool Film

Wortlose Aussprache - Familientreffen in Yokohama: Ryota und Yukari widerstrebt der Gedanke an das bevorstehende Wochenende. Die verwitwete Yukari bringt einen zehnjährigen Sohn mit in die Ehe, die vor allem bei Ryotas Vater auf Ablehnung stößt. Der jüngste Sohn hat es schwer, seitdem sein Bruder starb und mit ihm die Hoffnungen des Vaters auf einen würdigen Stammeshalter.

Die weiblichen Mitglieder des Clans sind Ryota keine Hilfe, weder seine Schwester, deren Ehemann den Besuch nahezu komplett verschläft, noch die Mutter, die gelernt hat mit den Launen ihres Mannes zu leben. So schwelen die unausgesprochenen Konflikte und treten in fein nuancierten Eruptionen ans Tageslicht. Wenn am Ende das Familien-foto geschossen wird, sind die Personen darauf nicht mehr dieselben.

Mit dem Cannes-Gewinner "Nobody Knows" erzählte Hirokazu Koreeda 2004 eine verstörende Familiengeschichte vor einem krassen sozialen Hintergrund. "Still Walking" erscheint da wesentlich ruhiger, doch unter der Oberfläche eines Familientreffens brodeln die Emotionen. Ganz wie in den Filmen des japanischen Großmeisters Yasujiro Ozu ("Tokyo Story") treten sie aber nie nach außen.

In ruhigen Bildern von bestechender Schönheit schildert Koreeda ein Aufeinandertreffen von drei Generationen. Das Wochenende bei den Großeltern ist geprägt von unausgesprochenen Wünschen und Enttäuschungen. Obwohl sich das Drehbuch besonnen und wortkarg gibt, bleibt nichts im Verborgenen. Eine Wohltat im Vergleich zum gesprächigen Kino des Westens.
 
von Lars Tunçay


Start: 18. November 2010
 
Genre: Familien-Drama

Verleih: Kool Film