Vanden PLas

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Es gibt eine Handvoll deutscher Bands im Progressivrock, über die man auch über die Szene hinaus spricht, die man kennt oder kennen sollte. Neben u.a. "Sylvan" aus Hamburg und "RPWL" aus München gehören die Kaiserslauterer "Vanden Plas" definitiv dazu. In ihrem 25. Jahr haben sie gerade ihr 6. Studioalbum veröffentlicht, "The Seraphic Clockwork" ist ein reifes Meisterwerk, das die Stärken der Band zusammenfaßt und ausnahmslos ohne Schwächen ein größeres Publikum verdient hat.
ZeitPunkt: Das Album kam fast überraschend, weil man in letzter Zeit v.a. von anderen Baustellen von Euch gehört hatte in erster Linie aus der Theater- und Musical-Ecke. Andererseits hatte Euer letztes Album auch vier Jahre gedauert ist das jetzt der Rhythmus?
Andreas Lill: Tja, Deine Frage beinhaltete schon einen Teil der Antwort. Auch beim neuen Album waren manche der Songs schon zwei Jahre fertig, aber wir hatten auf Grund der anderen Verpflichtungen nie Zeit, sie aufzunehmen. Wir werden für Produktionen gebucht, und dann ist das quasi ein Vollzeitjob. Da muß die Band auch zurückstecken, was wir auch selber sehr bedauert haben. Um so mehr freuen wir uns, daß wir jetzt auch gerade mal wieder Zeit haben, mehr zu spielen und das wollen wir auch nutzen! Aber natürlich gehen wir nicht mehr auf richtige Tournee mit "Nightliner" etc. das lohnt sich nur bei den Bands, die eben auch problemlos am Dienstag eine Halle voll kriegen, aber für kleine Bands gilt das nicht, da spielt man unter der Woche eher Nullnummern.
ZeitPunkt: Du hattest auch gesundheitliche Probleme?
Andreas Lill: Ja, mir ist ein Muskel in der Schulter gerissen, das mußte operiert werden, da durfte ich den Arm acht Wochen erstmal gar nicht bewegen, bis man dann wieder vernünftig trommeln kann, dauert es eine Weile. Aber andererseits haben wir jetzt, wo wir beim Aufnehmen waren, schon drei Songs für ein neues Album mit aufgenommen, weitere Lieder stehen auch schon. Also wir sind guter Dinge, daß es beim nächsten Album nicht so lange dauern wird.
ZeitPunkt: Was charakterisiert das neue Album, was hat sich geändert?
Andreas Lill: Ich finde es etwas Metal-lastiger, etwas heavier. Es sind noch viele verspielte Parts drauf, aber es ist in meinen Augen eine konsequente Weiterentwicklung unseres letzten Albums, "Christ 0". Allerdings habe ich auch schon das Gegenteil davon gehört, also weiß ich nicht, ob ich der Richtige bin, daß zu beurteilen. Am progressivsten war "Beyond Daylight" aber ich als Schlagzeuger sehe das aus rein rhythmischer Sicht andere sehen Progressivität vielleicht eher an der Abwechslung, der Melodik, den Texten oder am Konzept. Ein Unterschied war jedenfalls, daß unser Keyboarder Günter durch seine Arbeit als musikalischer Leiter am Theater sehr eingespannt war, deswegen kam von den Kompositionen im Verhältnis mehr von Stephan, unserem Gitarristen. Das wird sich also auch bemerkbar gemacht haben.
ZeitPunkt: Eine Sache, die mir aufgefallen war, ist der Bombast, inklusive der großen Chöre auch ein Resultat der Theaterarbeit?
Andreas Lill: Wir sind seit 1991 regelmäßig am Theater. Von daher ist das nicht unbedingt ein neuer Einfluß für uns, aber in diesem Fall passten sie ins Konzept. Und durch unsere Kontakte zum Theater ist es für uns leicht solche Chöre mal eben vernünftig aufzunehmen, das ist dann schon etwas anderes, als wenn Sänger Andreas Kuntz das fünf Mal mit verschiedenen Stimmen aufnimmt.
ZeitPunkt: Das Booklet des neuen Albums deutet ein Konzeptalbum an. Sag etwas zur Story!
Andreas Lill: Es geht um einen Uhrmacher, der im mittelalterlichen Rom, zu Zeiten der Pest lebt. Und er merkt, daß an der Religionsauslegung irgend-
etwas nicht stimmt. Und er findet alte Bücher, in denen sich eine andere Wahrheit darstellt. Nebenbei baut er seit geraumer Zeit, einer Eingebung folgend, an einem Räderwerk, das sich letzten Endes als Zeitmaschine entpuppt, mit der er die Möglichkeit hat, an den Punkt zurückzufahren, an dem sich diese zwei religiösen Vorstellungen trennten, um die vorherrschende und die, die in den Büchern steht, wieder in eine Linie zu rücken...
ZeitPunkt: Was davon ist Fakt? Und was Fiktion?
Andreas Lill: Ich will auch da nicht zu sehr in die Tiefe gehen, weil man dann schnell vermutet, daß wir so eine White Metal Band sind, die christliche Rockmusik macht...
ZeitPunkt: ...nachdem Euer letztes Album schon "Christ 0" hieß...
Andreas Lill: ganz genau obwohl sich dieser Titel ja auf Monte Christo bezog, also gar nichts religiöses. Und natürlich hat jeder so seine eigene Religion, und Andy ist auch durchaus gläubig, aber deswegen wollen wir das nicht unbedingt in unseren Texten transportieren. Damit haben wir nichts am Hut. Aber die Religion zu der Zeit, in der der Uhrmacher lebt, ist natürlich nicht so dargestellt, wie wir sie heute kennen.
ZeitPunkt: Also ist die Zeit, in der die Geschichte anfängt dann Fiktion.
Andreas Lill: Ja genau. Und er hat die Möglichkeit, das wieder umzudrehen.
ZeitPunkt: "Christ 0" und Andys Solo-Album "Abydos" sind mittlerweile als Musicals aufgeführt worden das neue Album wäre also die nächste Story?
Andreas Lill: Natürlich, da wären wir ja selber doof, wenn wir uns diese Vorlage nicht geben würden. Ob es dann klappt, ist etwas anderes, aber Andy hat eben eine Hand für Stories, die etwas ins Mystische gehen was im Theater sehr gut funktioniert und im Prinzip müsste er sich zwanghaft andere Texte einfallen lassen, wenn er etwas anderes schreiben wollte, also paßt das so schon sehr gut zusammen.
ZeitPunkt: Wie ist das denn, wenn man sein eigenes Stück am Theater aufführen darf ein Ritterschlag?
Andreas Lill: Natürlich ist es großartig, wenn man sieht, daß es die Leute auch interessiert, das Theater ist voll, und man selber hat das kreiert. Aber da gebührt Andy der Löwenanteil, denn am Theater muß natürlich v.a. die Story funktionieren. Bei Jesus Christ Superstar oder Rocky Horror stand ja die Story schon, da mußten wir ja nur für die Musik sorgen. Das hat er dann zwar mit Regisseuren noch überarbeitet, um das bühnentauglich zu ändern, aber die Musik bleibt dann zum Großteil da wird nur hier und da etwas gekürzt, oder dazu getan.
ZeitPunkt: Mit Jesus Christ Superstar fing alles am Theater für Euch an?
Andreas Lill: Ja, da war Andy Schauspieler, wir die Musiker. Und das führte sich dann fort über "Der kleine Horrorladen", "Evita", "Sadamus", "Rocky Horror Show" und dann kam "Abidos". Und das letzte war "Ludus Danielis", ein altes Musical aus dem Mittelalter, welches bruchstückhaft überliefert war.
ZeitPunkt: Und daß Ihr dann musikalisch aufgearbeitet habt ...
Andreas Lill: Ja. Da gab es nur musikalische Vorlagen für Laute etc., da mußte schon noch "etwas" verändert werden... Du siehst also, wir waren nicht untätig in den vier Jahren.
ZeitPunkt: Auf der Special Edition des neuen Albums gibt es ein Stück davon zu hören so klang es bestimmt NICHT im Mittelalter! Fasziniert war ich da v.a. von Andys Stimme für eine Live-Aufnahme in unglaublicher Perfektion!
Andreas Lill: Ja, Andy ist live noch stärker als auf Platte! Die ganze Produktion gibt es ja auch auf DVD und Andy ist wirklich für die Bühne geboren.
ZeitPunkt: Ungewöhnlich dagegen dann der verhaltene Applaus...
Andreas Lill: (lacht)...ja das ist eben Theater, das ist kein Moshpit! Das ist schon vom Publikum anders.
ZeitPunkt: Schade nur, daß Ihr mit den Produktionen meist nur in Kaiserslautern spielt gibt es nicht auch Chancen, Euch mal woanders zu sehen?
Andreas Lill: Ja, es gab ja schon vereinzelt Engagements, z.B. in Augsburg. Aber natürlich sind wir immer interessiert an weiteren Leipzig würden wir sofort aufsuchen!
ZeitPunkt-Redakteur Ralf Koch sprach mit Drummer Andreas Lill.

