Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

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Einfühlsames Portrait - Welch eine faszinierende Persönlichkeit war diese Hildegard vor einem Jahrtausend? Dieser Frage gingen bisher so viele nach; auch und mit brillantem Ergebnis die große Drehbuchautorin und Regisseurin Margarethe von Trotta. Sie entwirft in diesem Film das Bild einer hochmodernen Frau, die wiederum von Barbara Sukowa eindringlich dargestellt wird. Eine großartige Arbeit, und man spürt, daß von Trotta und Sukowa nicht das erste Mal gemeinsam eine überaus starke, aber auch widersprüchliche Frau erarbeiteten.

Die Hildegard-Vita ist recht gut übertragen, und es soll hier ausreichen, das Geburtsjahr mit ca. 1098 anzugeben. Im Jahre 1179 stirbt sie am 17. September und erreicht für damalige Verhältnisse ein sehr hohes Alter von 81 Jahren. Dieses reiche Leben war angefüllt mit so kostbaren Taten, die die charismatische Hildegard noch heute als überirdisch erscheinen lassen. Sie hatte schon als Kind Visionen, die sie aber erst viel später zugab. Als Seherin, erste Heilkundige der Klostermedizin und Komponistin war und ist sie hoch angesehen. Ihr Credo "Der Mensch muß eins sein mit der Natur, erst muß die Seele heil werden, dann kann der Körper folgen" hört sich an wie aus dem aktuellen ganzheitlichen Bereich!

Sie wurde als Achtjährige zu Abt Kuno (Alexander Held) in das Benediktinerkloster Disibodenberg gegeben, wo sie von Jutta von Sponheim (Mareile Blendl) erzog. Die Äbtissin Jutta gab all ihr Wissen an sie weiter, so daß Hildegard dann ihre Nachfolge antrat. Sie lockerte vieles, hielt es nicht so sehr mit dem extremen Fasten und war entschieden gegen Kasteiungen. Liebe und Lebensfreude seien wichtig, auch als Braut Christi. So war es folgerichtig, daß sie auch das erste Frauenkloster - Kloster Rupertsberg bei Bingen - gründete.

15 Jahre später konnte sie sogar das Kloster Eibingen bei Rüdesheim als sogenanntes "Filialkloster" errichten. Öffentliche Predigten von Frauen war damals völlig neu und unerwartet. Sie unternahm auch noch hoch betagt weite Seelsorge-Reisen und führte einen umfangreichen Briefwechsel mit vielen geistlichen und weltlichen Mächtigen ihrer Zeit, wie z.B. Papst Eugen III., Bernhard von Clairvaux und Kaiser Barbarossa, der auch ihren Rat suchte. Ihre Visionen und bedeutenden theologischen Abhand- lungen ließ sie vor allem vom Mönch Vollmar (Heino Ferch) aufschreiben.

Ihre enge Beziehung zur Novizin Richardis (Hannah Herzsprung) wird umfassend dargestellt. Richardis Mutter alias Sunnyi Melles nimmt auch eine wesentliche Rolle ein. Weiterhin bestimmen auch die Mitschwester Clara (Paula Kalenberg) und andere das Wesen und Wirken Hildegards, das immer mehr von Barmherzigkeit erfüllt war.

Diese von diversen Stiftungen geförderte Leinwand-Adaption konnte von einem Stab realisiert werden, der aus hochkarätigen z.T. sehr erfahrenen Meistern des Tons, Ausstattung, Maske, Kostüme, Musik usw. bestand. Die Bilder des Kameramanns Axel Block lassen beinahe einen Blick in den Himmel erhaschen.
 
- blw -


Start: 24. September 2009
 
Genre: Portrait

Verleih: Concorde