Die Artikel des ZeitPunkt Kulturmagazin
 


ZeitPunkt-Interview mit
Selig


In den Neunziger galten sie als hoffnungsvollster Newcomer, konnten ihren Erfolg auch ausbauen und wurden zur Kultband bis zum Supergau 1999, als die Band überraschend ihr Ende ankündigte. Genau 10 Jahre später waren sie genauso überraschend wieder da und machten da weiter, wo sie aufgehört hatten sowohl musikalisch, als auch erfolgsmäßig, denn dankbarer hätte die Rückkehr kaum aufgenommen werden können. Ein weiteres Jahr später steht die nächste Stufe an: ein (noch seligeres) neues Album, neue Tour und der Bundesvision Song Contest. Ralf Koch sprach mit Stephan „Stoppel“ Eggert.


ZeitPunkt: Paßt der Bandname erst jetzt so richtig... Euer Bandinfo sprüht ja über vor Seligkeit...

Stoppel: Ja, ist das so? Entspricht aber auch unserem Empfinden. Nach der langen Trennung sind wir froh, daß wir wieder zusammen sind. Vielleicht kommt der euphorische Ton daher.

ZeitPunkt: Und das scheint auch nicht nachzulassen.

Stoppel: Gott sei Dank nicht. Das macht nach wie vor Spaß und dann ist es auch schön, daß wir zusammen so kreativ sind, wenn wir uns treffen.

ZeitPunkt: Dazu noch der Albumtitel „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“...

Stoppel: Ja, das ist halt ein Song auf dem Album. Wir hatten verschiedene Arbeitstitel und dieser paßte fast zu gut zum Vorgängeralbum „Und endlich unendlich“. Aber so ist es eben auch eine Fortsetzung davon.

ZeitPunkt: Was ist dieses Mal anders ?

Stoppel: Ich glaube, es liegt am Alter. Und an der Lebenserfahrung. Damals waren wir Spät-Teenager, irgendwie immer noch in der Entwicklung, heute sind wir einen Schritt weiter, sind erwachsener, haben alle Kinder und so.

ZeitPunkt: Waren es damals Ego-
Probleme, die zum Scheitern geführt hatten?

Stoppel: Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt und am Ende paßte es nicht mehr zusammen. Der Eine wollte Weltstar werden, der Andere am liebsten in der Fußgängerzone spielen...

ZeitPunkt: Mehr Band ging eigentlich auch kaum damals, oder?

Stoppel: Ja, das war schon eine extreme Monokultur für jeden von uns und da achten wir heute mehr drauf, daß jeder seinen Spaß hat.

ZeitPunkt: Euer Bandinfo sagt, daß die Songs „komplett intuitiv“ entstanden?

Stoppel: Wir haben uns gesagt, wir brauchen neue Songs und uns Ende letzten Jahres getroffen und „gejammt“ ohne festes Ziel, aber immer mit Aufnahmegerät dabei. Und als wir einen guten Stapel Material zusammen hatten, arbeiteten wir die schönsten Sachen aus.

ZeitPunkt: Möchtest Du das Resultat kommentieren?

Stoppel: Es ist schon sehr typisch „Selig”, aber es gibt eben auch ein paar neue Elemente, wie die Pink Floyd-ähnlichen atmosphärischen Teile... alles Sachen, die irgendwie mit reingenommen wurden, weil wir sie ausprobiert haben und keiner etwas dagegen hatte. Wie siehst Du es?

ZeitPunkt: Ich denke, es schließt sich der Kreis Richtung Debütalbum, nachdem das letzte Album fast etwas rau war... daß diese psychedelische Seite am ehesten da schon zu finden war.

Stoppel: Hmm, das klingt gar nicht so verkehrt. Wir hatten jetzt auch schon gehört, daß wir rockiger geworden sind, aber das konnte ich ehrlich gesagt gar nicht so nachvollziehen. Das sind ja schon mal zwei sehr konträre Seiten da können wir ja auf die weiteren Reaktionen gespannt sein.

ZeitPunkt: In „Hol mich hier raus“
ist das ein „Purple Haze“-Zitat?

Stoppel: Hmm, kommt auch hin. Wir hatten eigentlich Angst, daß es zu sehr nach Lenny Kravitz klingt.

ZeitPunkt: Euer Debüt hatte ich damals als deutsche Version von Lenny Kravitz bezeichnet also auch da würde sich ein Kreis schließen. Und um auf „Hol mich hier raus“ zurückzukommen eher auch nach den Stones, oder?

Stoppel: Siehst Du, dann waren die Zitate, bzw. Parallelen ja doch nicht zu eindeutig (lacht). Aber das paßt auch zu dem Stichwort intuitiv: Wir haben uns vor nichts verschlossen, uns aber auch nichts konkretes vorgenommen.

ZeitPunkt: Ihr hattet, bzw. einzelne von Euch hatten ja künstlerisch durchaus Durststrecken zu überstehen
ist es da nicht seltsam, zu sehen, daß der Erfolg so nahe liegen kann?

Stoppel: Ehrlich gesagt hatte ich nie damit gerechnet, daß wir als Selig noch mal zusammen kommen. Und es ist schön, wenn man da eines Besseren belehrt wird. Es war damals die richtige Konsequenz, und ich bin auch froh, das wir eben nicht gesagt haben, laß uns die Band retten, z.B. mit einem neuen Sänger, das haben ja auch schon andere Bands versucht. Andererseits war es sehr ‚verwöhnte-Jungs-mäßig, aber so waren wir halt damals drauf.


ZeitPunkt: Du sprichst einen neuen Sänger an war Jan der Querulant?

Stoppel: Ja, auf jeden Fall, er wollte nicht weitermachen. Statt daß wir gesagt haben, laß uns eine Pause machen und wir sehen uns in zwei Jahren wieder, haben wir krampfhaft versucht, daran festzuhalten. Und als er dann sagte, ich bin raus aus der Nummer, haben wir nur kurz überlegt, ob es eine Alternative gibt.

ZeitPunkt: Bei Euch funktionierte es recht gut das scheint jetzt auch wieder so zu sein, oder?

Stoppel: Naja, die Zeiten haben sich halt geändert mit Internet u.ä. ist alles viel offener. Früher brauchte man nur in den einschlägigen Sendungen oder Magazinen aufzutauchen, dann lief das schon, aber heute ist alles vielschichtiger und man muß schon etwas mehr machen.

ZeitPunkt: Und am Ende kommt trotzdem weniger raus...

Stoppel: Ja es war schon vor zehn Jahren nicht einfach, von der eigenen Musik zu leben und das ist heute eher noch schwieriger geworden. Aber wir sind ja von vielen Seiten mit offenen Armen empfangen worden, also können wir da nicht meckern.

ZeitPunkt: Habt Ihr Euch auch heute genügend Freiheiten für eigene Projekte eingeräumt, wie ist das bei Dir?

Stoppel: Ich spiele noch mit James Last, da gibts auch regelmäßig alle zwei Jahre eine Tournee, zwischendurch eine neue Platte, das steht jetzt z.B. für nächsten März wieder an. Dann bin ich Studiomusiker für Filmmusik etc, und ich mache immer mal was mit einem befreundeten Musiker, Erlend Krausa aus Rumänien.

ZeitPunkt: Also müßt Ihr Eure
Termine schon abstimmen?

Stoppel: Ja, aber Selig haben bei jedem von uns Priorität, da ist es eher so, daß wir die anderen Termine da herum jonglieren.

ZeitPunkt: Die Wiederaufnahme von Selig war ja auch das Ende von TempEau mit Marek Harloff was wiederum ja das Ende der Band Zinoba war... was ist denn eigentlich mit den beiden Projekten?

Stoppel: Mit Zinoba ist nichts mehr da gab es ein Album und da ist auch nichts weiter und das würde neben Selig auch keinen Sinn machen. Und von TempEau gibt es immer noch ein unveröffentlichtes Album, aber da ist die Zeit auch immer noch nicht gereift, da müßten wir uns eigentlich noch einmal alle drei an einen Tisch setzen und die Vergangenheit und die Zukunft besprechen...

ZeitPunkt: So, da gibt es auch Vergangenheit zu bewältigen?

Stoppel: Ja, durchaus. Kein böses Blut, aber das Ende war schon sehr abrupt und mitten drin wegen Selig und das muß halt noch mal besprochen werden, wie und ob es weiter geht. Aber Marek Harloff ist ja auch durchaus beschäftigt als Schauspieler, es gibt also keine Dringlichkeit in der Sache, glaube ich.

ZeitPunkt: Ansonsten steht pünktlich zur Veröffentlichung des Albums auch der Bundesvision Song Contest an, bei dem ihr für Hamburg startet. Ist Stefan Raab jetzt salonfähig geworden?

Stoppel: Hmm. Also eigentlich wollte er Selig schon zu „Vivavision“-Zeiten, wo er die Leute immer so furchtbar vorgeführt hat, aber der Einladung sind wir nie gefolgt. Nun, er hat sich ja weiterentwickelt. Ich war bei ihm mit James Last eine Woche Studiogast, und wir sind mittlerweile auch über mehrere Kontakte redaktionell befreundet. Man kann eigentlich sagen, daß Stefan Raab einfach ein sehr direkter, ehrlicher Typ ist. Dazu kommt, daß er letztes Jahr schon angefragt hatte ganz egal, sie wollten, daß wir dabei sind.

ZeitPunkt: Und so einem Drängen kann man natürlich auch schwer nicht nachgeben...

Stoppel: Natürlich ist Musik als sportlicher Wettstreit immer etwas komisch, aber egal wo wir landen es gibt ja auch durchaus prominente Konkurrenz wir haben uns gesagt, es ist auch für uns eine Möglichkeit, zu sagen: „Wir sind wieder da, es gibt eine neue Platte. Und für die, die uns noch nicht kennen: Wir heißen Selig!“

ZeitPunkt: Ihr habt also nicht als dringlichstes Ziel, den Contest nach Hamburg zu holen?

Stoppel: Das würden wir gerne würde ja auch mal Zeit werden, Jan Delay ist ja schon mal knapp gescheitert, aber wir haben auch keine Angst, nicht erster zu werden. Was, glaube ich, für die meisten großen Künstler der Grund ist, da nicht aufzutreten. Die versuchen ja schon immer, auch Künstler wie Grönemeyer, Fanta 4 etc. zu bekommen. Wie gesagt: dieses Egoproblem haben wir nicht.



 


Disciples 3 Renaissance


Seit dem Erscheinen von „Disciples 2“ sind nunmehr 8 Jahre ins Land gestrichen und die Erwartungen an das damals recht erfolgreiche Spiel sind entsprechend hoch. Wenn man den Angaben auf der Cover-Rückseite Glauben schenkt, soll der dritte Teil den Sprung in die nächste Generation rundenbasierter Rollenspiele wagen. Eins sei an dieser Stelle schon einmal vorweg gesagt: auch wenn Disciples 3 sich durchaus an die heutigen, technischen Gegebenheiten angepaßt hat, die ganz großen Neuerungen, die man von einem Spiel der nächsten Generation erwarten dürfte, sind ausgeblieben. Fehlte hier vielleicht der Mut, an einem altbewährten Konzept zu feilen? Der dritte Teil der Reihe spielt wieder in der Fantasy-Welt Nevendaar. Seit sehr langer Zeit leben hier Elfen, Zwerge, Dämonen, Untote, sowie Menschen in mehr oder weniger funktionierender Nachbarschaft. Hin und wieder gibt es kleinere rassenübergreifende Rangeleien und Auseinandersetzungen. Jedoch niemals so groß, daß es kriegsähnliche Ausmaße annehmen könnte. Dieses „Zusammenleben“ würde wahrscheinlich auch die nächsten eintausend Jahre so weiterlaufen, wären da nicht die guten, alten Götter, die ihrerseits ebenfalls so manches Machtkämpfchen auszutragen haben. Als einige der Himmelbewohner beschließen den Engel Inoel auszusenden, um Nevendaar von allem Übel zu be-freien, beginnt der altbekannte Kampf zwischen Gut und Böse.
„Disciples 3“ verschreibt sich, genau wie seine Vorgänger, dem rundenbasierten Rollenspiel. Zu Beginn des Spieles darf eine von drei Kampagnen gewählt werden. Abhängig davon, wie die Wahl ausgefallen ist, kämpft man von nun entweder an der Seite der Menschen, der Elfen oder der Dämonen. Anders als bei herkömmlichen Rollenspielen gibt sich die Disciples-Reihe sehr strategisch. So schlüpft der Spieler in die Rolle des Helden, der eine Armee befehligt, aber auch für neue Rekruten und Ressourcen sorgt, Handel betreibt und sogar Gebäude bauen läßt. Kommt es während des Abenteuers zu einem Kampf, wechselt die Ansicht auf eine schachbrettartige Karte, in der man seine Kämpfer Zug um Zug befehligt. In Sachen Grafik kann man bei Disciples 3 nicht viel aussetzten. Die Szenarios sind allesamt stimmig gestaltet und geben die düstere Atmosphäre des Spiels prächtig wieder. Hinzugesellt sich ein jederzeit passender Soundtrack. Auch wenn der dritte Teil der Serie ein solider und durchaus guter Nachfolger geworden ist, so gibt es doch kleinere Mängel zu verzeichnen. Besonders die künstliche Intelligenz der Gegner trübt streckenweise den Spielspaß. Schade ist auch, daß es dem Spiel an Innovation und dem Mut zu Neuerungen fehlt.
Preis: ca. 40 Euro

 


Vertrieb: Kalypso Media GmbH

LEGO Harry Potter


Die Jahre 1-4

Kaum eine andere Kinder- und Jugend-Roman-Reihe war in den letzten Jahren erfolgreicher als die um den Zauberlehrling Harry Potter. Selbst Erwachsene haben ihre liebe Not damit, einen angelesenen Potter wieder beiseite zu legen. In Zeiten multimedialer Vermarktung verwundert es nicht, daß man einen solchen Erfolg auch auf Leinwand und die heimischen Monitore überträgt. Für Harry Potter gab es bisher zu jedem Kinofilm eine passende Videospiel-Umsetzung. Nun finden er und seine Freunde auch den Weg in die LEGO-Welt. Denjenigen die
die LEGO-Videospiele noch nicht kennen, sei erklärt, daß es sich dabei um ein ganz normales Spiel handelt, in dem alle Charaktere und Umgebungen aus den beliebten Bausteinen bestehen. Das mag auf den ersten Augenblick ein wenig gewöhnungsbedürftig klingen, hat aber unter anderem bei „LEGO Star Wars“ oder „LEGO Indiana Jones“ hervorragend funktioniert. „LEGO Harry Potter Die Jahre 14“ orientiert sich an den Kinofilmen und faßt somit die ersten vier Teile in einem Spiel zusammen. Klar, daß sich das Spiel aufgrund dieser Fülle mehr auf die großen Ereignisse in und um Hogwarts konzentriert. Dennoch, wird man dank gelungener Erzählweise und Präsentation gut durch die Story geführt und sollte nichts wichtiges verpassen. Wie man es von Spielen aus dem LEGO-Universum gewöhnt ist, gibt es eine Menge zu entdecken, sammeln und freizuschalten. Der Spieler kann aus unglaublichen einhundert Charakteren wählen. (Natürlich sind Hermine, Ron und Harry ganz vorn dabei.) Besonders wichtig ist die Interaktion zwischen den Charakteren. Jeder Held hat seine speziellen Fähigkeiten, die es kombiniert mit den Fähigkeiten der Mitspieler einzusetzen gilt, um verschiedene Aufgaben erfolgreich lösen zu können. Aber auch in Sachen Spielwelt mangelt es nicht an Abwechslung. Neben dem Schloß Hogwarts gibt es beeindruckende Schauplätze, wie dem verbotenen Wald, der Winkelgasse oder das Dorf Hogsmeade zu erkunden. Optisch hat man die Harry-Potter-Welt wirklich optimal in die der LEGO-Steine konvertiert. Die putzigen, sprachlosen LEGO-Charaktere verbreiten einen unvergleichbaren Humor. Besonders lobenswert ist der Koop-Modus, dank dessen es möglich ist, zu zweit ins Abenteuer zu ziehen.
Fazit: Die Idee, Kinohelden in die LEGO-Welt zu importieren, ist wirklich bemerkenswert. Zum Einen erreicht man damit Spiel-Witz, der seinesgleichen sucht, zum Anderen macht es die Spiele zum gewaltfreien Spielerlebnis. Bleibt nur zu hoffen, daß man sich in der LEGO- Welt immer wieder neue Dinge einfallen läßt, sonst wäre die Luft aus dieser doch so grandiosen Idee ganz schnell wieder raus.
Preis: ca. 40 Euro
Vertrieb: Warner Bros. Entertainment



rezensiert von Dirk Rauchfuß