| Die CD-Rezensionen des ZeitPunkt Kulturmagazin |
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CD DES MONATS Billy Cobham & NovecentoDrumn Voice vol. 3
(Membran/Sony)
Feinster Jazz-Rock wird hier mal wieder vom großen Billy Cobham zelle-briert. Seit der Schlagzeuger zwischen 1971 und 1973 in John McLaughlins „Mahavishnu Orchestra” spielte, gilt er als einer der besten Drummer der Welt. Der seit den 80er Jahren teilweise in der Schweiz lebende Musiker hat für das vorliegende Album mit der italienischen Musiker-Familie Nicolosi zusammengearbeitet, die unter ihren Band-Namen „Novecento” bekannt sind und das Album in Mailand/Italien produzierten. Sie bestehen aus dem Keyboarder Pino, dem Gitarristen Lino, der genialen Bassistin Rossana und der Sängerin Dora Nicolosi. Dora singt im 6. Stück „Id Like To Change”, während der US-amerikanische Sänger Gino Vannelli den 4. Titel „We The People” und die grandiose Chaka Khan den 2. Song „Alive” mit ihren Stimmen veredeln. Die verbleibenden 6 Titel sind großartig produzierte Instrumentals, die auf Track 1 „Electric Man” und Track 5 „Destiny” durch den Keyboarder Brian Auger bereichert wurden beim zweitgenannten Titel ebenso durch den Gitarristen John Scofield. „Drumn Voice Vol.3” ist ein Meisterwerk des Fusion-Jazz geworden, eine Scheibe, bei der man den Spitzen- Musikern die Spielfreude anmerkt !
OOOOO Christian Nóvé
The Five Ghosts
(Soft Revolution/Vagrant)
Sie sind noch immer der Geheimtip unter den kanadischen Musikexporten: Nach 3 Jahren gibt es ein neues Studioalbum der Independent-Combo. Auf „The Five Ghosts“ spielen sie gefühlsbetont wie ehedem, sozusagen knüpfen sie eigentlich dort an, wo sie mit „In Our Bedroom After The Fire“ (2007) aufgehört hatten. Neu hingegen sind allerhand elektronische Klänge meistens im Hintergrund die sich indes gut in das Gesamtklangbild einfügen. Der Opener „Dead Hearts“ erinnert ein wenig an Belle & Sebastian, doch während die Schotten um Stuart Murdock manchmal etwas ins kindlich-naive abdriften, bleiben The Stars bei aller spielerischer Eleganz bodenständig. Ein wunderbares, würdevolles Album, das in den ruhigeren Stücken oft am eindrucksvollsten wirkt und neben tollen Kompositionen und üppigen Arrangements von den unverwechselbaren Stimmen Torquill Campbells und Amy Millans getragen wird. Drei Stücke: „Changes“, „The Passenger“ und „The Last Song Ever Written“ bilden den Ruhepol des Albums. Amy Millan bringt auch hier ihre betörende, rauchige Stimme entspannt ein. Intensiv, bittersüß, einfach nur schön!
OOOO Peter Viertel
The Suburbs
(City Slang/Universal)
Auf ihrem 3. Album hat es „Arcade Fire“ thematisch in die Vororte die „Suburbs” verschlagen. Als Bandleader und Sänger Win Butler durch einen alten Freund an seine Kindertage in einem Vorort von Houston erinnert wurde, kamen viele vergessene Gedanken und Gefühle jener Zeit zurück aus diesen Erinnerungen entstand zuerst der Titelsong und bald das Konzept des gesamten Albums. Die Unerschütterlichkeit, aber auch die Unwiederbringlichkeit dieser Jahre sind die zentralen Themen, für die das Septett das Opulente und Stürmisch-Dramatische seines Indie- und Folk-Rocks ein Stück weit zurückschraubt und wesentlich fokussierter und geerdeter vorgeht, ohne dabei seinen abgründigen Charme einzubüßen. Im Vergleich zum Vorgänger „Neon Bible“ sind auch die Melodien deutlich eingängiger gehalten einen so reduzierten, geradlinigen Rocker wie „Month Of May“ gab es von „Arcade Fire“ bisher noch nicht zu hören. Eine gelungene Neuerfindung ihres eigenwilligen Sounds.
OOOO Ron Krämer
Leaving Home
(Suonix/Edel)
Der Folk-Rock des kanadischen Neulings Colin Moore klingt irgendwie, als hätten sich Jack Johnson und Bryan Adams zusammengetan, um gemeinsam den Soundtrack zu einem neuen „Young Guns“-Film zu schreiben. Ursprünglich kommt Moore aus dem Punk-Rock-Bereich und eiferte Mike Ness und „Social Distortion“ nach, was man seiner rauen Stimme noch anhört auch Bruce Springsteen und Tom Petty dürften in der musikalischen Früherziehung eine wichtige Rolle gespielt haben. „Leaving Home“ klingt deutlich amerikanisch und eignet sich hervorragend zur Untermalung langer Autofahrten über endlose Highways. Am besten funktioniert das Ganze immer dann, wenn, wie in „3 Fat Pills“ oder „20 Years“, das Western-Feeling durchschlägt und man sich den nächsten Cowboyhut greifen möchte, um in die Prärie hinauszureiten. Beim letzten Song „Red Headed Girls“ kommt dann doch noch mal der Punk-Rock durch, natürlich mit mächtiger Country-Schlagseite. Insgesamt eine runde Sache.
OOO Ron Krämer
The Collibro
(VME/Twilight)
Überaus bedrohlich kriecht das Intro „All The Blood” aus den Boxen, und auch das folgende „Send In The Scouts“ mit seinen düsteren Synthie-Melodien ist nichts für schwache Nerven. Was ist das nur? Gothic-Rock mit Prog-Anleihen und Post-Rock-Flair? In Song Nummer 3 lichtet sich das Dunkel etwas und „Lis Er Stille“ beginnen eine plötzliche Surf-Rock-Abfahrt, die nach und nach von Elementen klassischer Musik infiltriert wird. Klingt komisch? Und ob. Wenn nach knapp 6 Song-Minuten dann eine verhallte Orgel mitsamt klagender Kopfstimme eine kurze Ruhephase erlaubt, nur um gegen Ende inklusive der restlichen Instrumente und einiger Dissonanzen noch in eine Pop-Melodie zu verfallen, ist die Verwirrung komplett. Und so geht es weiter... Komischerweise harmoniert das Ganze aber irgendwie, selbst der eigenwillig wacklige Gesang, der, wenn er will, auch zu einer kräftigen Rock-Stimme anwachsen kann, paßt ins Bild. Seltsam, aber gut wie eine psychotische Version von „Muse“.
OOO Ron Krämer
Skintight
(Black Rose)
Intelligent. Facettenreich. Hochwertig. All das trifft´s! Liv Kristine liefert auf ihrem dritten Soloalbum beste Kost für den Pop-Rock-Konsumenten. Feines Silber. Aber eben nicht wirklich Gold denn Gold wäre überraschend. Liv Kristine ist eher solide und durchdacht, wunderschön und berauschend. Zehnmal chartkompatibles Songwriting ohne die Schmerzgrenze der Gefühle zu suchen eher Sommermusik, Sonnenuntergang am Piratabus auf Formentera mit Wein und ohne Sorgen. Und so darf sie Titelmusiken für „Schimanski“ oder „Tatort“ abliefern und wird auch schon mal für einen Grammy nominiert. Die Waage zwischen tanzbar und chillig schlägt nie wirklich aus, alles auf dem Album ist perfekt für den Freund solcher Musik. Und da ist eben auch wirklich nichts zu meckern. Reine Geschmackssache. Und wenn es nach der Qualität geht, eben auch ohne Einschränkungen gut. Ein Album, das sich verkaufen wird, wie so viele andere Alben. Aber eben nur feinstes Silber denn Gold wäre überraschend.
OOO Volly Tanner
Songs For Your Lonely Island
(Bellaphon)
Die Würzburger Band „q.age“ legt mit „Songs For Your Lonely Island“ ein derart ausgewogenes und routiniertes Album vor, daß man kaum glauben kann, es hier mit einem Erstlingswerk zu tun zu haben. Komplex arrangiert und hervorragend produziert zeigen sich die Songs dabei immer von einer radiotauglichen Seite und decken ein weites Spektrum zwischen typischen Pop/Rock-Nummern („1000 Years Of Love“), mittelalterlich und keltisch anmutenden Melodien („Human Race“, „Moneycard“), klassischen Versatzstücken („Sentas Sonatina“) und latein-amerikanischen Einflüssen („Rock With Me“) ab. Getragen von der glasklaren Stimme Senta Studers (Tochter der Opernsängerin und zweifachen Grammy-Gewinnerin Cheryl Studer), erreicht das Album ein durchgängig hohes Niveau, ist zuweilen aber etwas zu glatt und verkopft geraten ein paar Ecken und Kanten mehr würden den Wiedererkennungswert und emotionalen Gehalt der Stücke noch deutlich steigern. Nichtsdestotrotz eine solide Scheibe.
OOO Ron Krämer
Time To Drift
(Selbstvertrieb)
Ganz vorne weg: ich mag Karoline Kalbitz und ihre Musik. Und da Ella eigentlich Karoline ist und sie schon seit vielen Jahren (obwohl sie noch eine junge Blume im Beet ist) bestes Gitarren-Futter abliefert, kommen hier Charme und Erfahrung, Talent und Esprit zusammen. Die acht Stücke auf der CD haben aber eben auch Karolines Einzigartigkeit, dieses unstarhafte Zurückziehen, dieses fast schon stille Dasein. Und somit kommt bei „Time To Drift“ alles zum Ausbruch und heraus schält sich genau der edle Klang, der stilvoll von gewollt unterscheidet. Ella Hayes ist somit mit diesem Album eine Perle gelungen, die faszinierend leichtgeschliffen genau den Glanz versprüht, den mein medienübervolles Herz zum Verschnaufen braucht. Musik, die mit der Pinzette die Gänsehautspitzen antippt und zum Schwingen bringt, Musik gegen alle Trends und Popwirklichkeiten so wunderschön bleibend, daß man fast schon wieder an das Gute im Menschen glauben mag.
OOOO Volly Tanner
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