![]() Ein Streifzug durch die grünen Oasen der Stadt
LEIPZIGS PARKS Plätscherndes Wasser, sich auf Decken räkelnde junge Leute, im Sand spielende Kinder... diese Szenen spielen sich nicht etwa in einer Ferienanlage am Mittelmeer ab, sondern in Leipzigs eigenem kleinen Paradies. Der Clara-Zetkin Park ist wohl jedem Leipziger ein Begriff. Nicht wegzudenken sind die zahlreichen Möglichkeiten für Entspannung, Sport, und geselliges Beisammensein, die sich Besuchern hier auf 125 Hektar Landschaftsschutzgebiet abseits vom Großstadtalltag erschließen. Und doch wissen die Wenigsten, daß sich hinter dem Oberbegriff "Zentraler Kulturpark Clara Zetkin" mehrere historische Parkanlagen verbergen, die eine ungeahnte Fülle an Freizeit- und Kulturangeboten zu bieten haben. Mitten in Leipzig - willkommen im Grünen Der Johannapark ist nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Überquert man am Neuen Rathaus den Martin-Luther Ring in westlicher Richtung, erreicht man ihn in ein paar Schritten. Mit seinem Teich, den verträumten Holzbrücken und dem beliebten Kinderspielplatz zieht der Park zu jeder Tageszeit und bei fast jedem Wetter Spaziergänger, Radfahrer, junge Mütter mit ihren Kindern und Jogger an. Ein wahres Mekka für Studenten und andere junge Leute sind in der warmen Jahreszeit die weitläufigen Rasenflächen um die Teichfontäne. Besonders am Wochenende breiten hier dutzende Leipziger ihre Decken aus und die Luft füllt sich schon am Nachmittag mit nach Grillgut duftenden Rauchsäulen. Hier wird Frisbee gespielt, geplauscht, gelesen, gegessen und getrunken, und an lauen Sommerabenden unter leisen Gitarrenklängen oft bis in die Nacht philosophiert. Einfach mal Abstand nehmen Auch die ausgedehnten Anlagen des Albertparks und des Scheibenholzes bieten Leipzigern und Besuchern der Stadt viele Möglichkeiten, dem Alltagsstreß zu entfliehen. Radfahrer und Spaziergänger nutzen den grünen Zugang zum Connewitzer Holz und in das Naturschutzgebiet Burgaue. Biergartenbesucher freuen sich bereits ab dem frühen Nachmittag über zahlreiche Angebote; an den Sommerwochenden und an Feiertagen wird hier Live-Musik gespielt. Kultur, Sport und noch viel mehr Die Parkbühne bietet von Juni bis September ein interessantes Konzertangebot; zusätzlich findet von Juli bis August an der Galopprennbahn das alljährliche Sommertheater statt. Zwischen Mai und Oktober lockt das Freilichtkino am Scheibenholz zu gemütlichen Flimmerabenden; der dazugehörige Garten mit großem Freisitz und Grillangeboten lädt ab 16 Uhr zum Verweilen ein. Überquert man die Sachsenbrücke in Richtung Schleußig, so gelangt man mit wenigen Schritten zur Minigolfanlage des Zentrums für Gesundheitssport, die in den warmen Monaten besonders Familien anzieht. Zahlreiche Bootsverleihstellen bieten dem Besucher die Möglichkeit, die neugestalteten Wasserwege der Umgebung zu erkunden. Mit etwas Ausdauer können Paddelfreunde vom Karl-Heine Kanal sogar bis zum Cospudener See gelangen. Inline-Skater treffen sich an der asphaltierten Strecke der Anton-Bruckner Allee. Zwischen diesen Anlaufpunkten laden zahlreiche Grünflächen zum Entspannen, zum Sport, oder zum abendlichen Grillen ein. Wer noch mehr Abwechslung sucht, der erreicht mit dem Fahrrad innerhalb weniger Minuten den Auwald und den Wildpark, und dann ist es auch zum Cospudener See nur noch ein Katzensprung. Leipzigs Parks haben wirklich für jeden Geschmack und für jedes Alter etwas zu bieten. Nach einiger Zeit vergißt man fast, daß man sich noch immer mitten in der Stadt befindet. Historisches Der Johannapark wurde vom Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) im Stil eines englischen Gartens gestaltet, nachdem der Bankier Willhelm Seyfferth im Jahr 1858 die Wiesen am Westufer der Pleiße käuflich erwarb, um darauf zum Andenken seiner Tochter Johanna eine Stiftung in Form einer Parkanlage zu errichten. Das Wesen der unglücklich verheirateten und dazu früh verstorbenen Johanna sollte sich in der Anlage widerspiegeln: sie hatte anderen Menschen immer gern Freude bereitet. So schenkte Seyfferth den Park im Jahr 1881 der Stadt, verfügte allerdings in seinem Testament unter anderem, daß hier nicht gebaut werden dürfe. Diesem Testament ist es zu verdanken, daß der Johannapark noch heute in seine ursprünglichen Form erhalten ist. Der Ratsgärtner Otto Wittenberg ließ nach 1881 die Rad- und Spazierwege sowie die Pflanzungen und Wiesen überarbeiten und setzte 1882 eine Fontäne ein. Die zwischen 1884 und 1887 erbaute Lutherkirche wurde in die Parkanlage eingebettet. Nördlich der 1867 gebauten Rennbahn entstand 1876/77 der Volksgarten Scheibenholz. Die Ratsherrenfamilie Scheibe hatte ihren Besitz bereits im 15. Jahrhundert der Stadt übereignet, und dank Wittenberg und Seyfferth durfte die Fläche nicht bebaut werden. 1897 wurde im Zuge der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung in Leipzig das Gebiet zwischen Johannapark und Scheibenholz gestaltet. Die Fertigstellung des heutigen Albertparks erfolgte nach der Ausstellung; aus dieser Zeit sind die zwei Teiche und die mit Linden bepflanzte Hauptallee erhalten geblieben. Wittenbergs Nachfolger Carl Hampel legte besonderen Wert auf farbenprächtige Blumenanlagen, die auch heute wieder im Park zu finden sind. Der Musikpavillon am heutigen Richard-Strauß Platz wurde 1912 aufgestellt. Sowohl der Albertpark als auch das Scheibenholz sind derzeit als Kulturdenkmäler geschützt. Die historische Parkanlage des ehemaligen Palmengartens befindet sich westlich des Elsterbeckens zwischen Karl-Heine-Straße und Jahnallee. Gestaltet wurde die Anlage nach dem Vorbild des Palmengartens in Frankfurt am Main vom Landschaftsgärtner Otto Moßdorf. Das Gesellschaftshaus und das Palmenhaus der Anlage wurden 1938/39 im Rahmen der Gutenberg-Reichsausstellung abgerissen. Der Pavillon, welcher ursprünglich im heutigen Albertpark aufgestellt war, ist heute noch am Teichufer des ehemaligen Palmengartens erhalten. Das Gelände beherbergt außerdem eine Fülle wertvoller Gehölze, welche größtenteils aus der ehemaligen Baumschule des Botanischen Gartens in Liebertwolkwitz stammen. Maria Heyne |