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Das Elbtal im Wandel der Zeit


Weinbau in Sachsen

Weine aus der Saale-Unstrut-Region oder aus Rheinland Pfalz sind wohl jedem deutschen Weinkenner ein Begriff. Das Weinanbaugebiet Sachsen ist zwar wesentlich kleiner und so nicht jedem bekannt, im Elbtal werden aber nun schon seit mehr als 800 Jahren Reben kultiviert. Das sächsische Weinbaugebiet ist eines der kleinsten Deutschlands und zeichnet sich neben der Produktion von Qualitätsweinen durch reizvolle Landschaften und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten aus.


        Entwicklung des Weinanbaus im Elbtal

Sachsen ist das nordöstlichste Weinbaugebiet Deutschlands. Begünstigt durch das wechselhafte Kontinentalklima können hier insbesondere bei den Weißweinen ausgezeichnete Qualitäten produziert werden. Insbesondere die hohe Sonnenscheindauer und der ständige Wechsel zwischen kühlen und warmen Temperaturen sowie Regen und Wind begünstigen ein langsames Wachstum der Trauben, das sich wiederum positiv auf Bouquet und Aroma der Weine auswirkt. Auch die sehr unterschiedlichen Bodenarten der sächsischen Weinbergslagen haben Einfluß auf den Charakter der Weine.
Der Weinbau in Sachsen wurde 1160 zum ersten Mal urkundlich erwähnt - begann aber der Sage nach schon um 1100 durch die Pflanzung erster Reben vom Meißner Bischof Benno. Zunächst hatten vor allem Kirchen und Klöster Interesse am Weinbau, der schon rasch Einfluß auf das sächsische Wirtschafts- und Kulturleben nahm. Bald entdeckte auch die weltliche Obrigkeit den Weinbau für sich, und im Elbtal entstanden zahlreiche Berg- und Lusthäuser sowie Schlösser, die noch heute das Bild am Elbufer entlang prägen. Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts hinein erlebte der Weinbau eine Blütezeit; danach führten Mißwuchs, Frost, Kriege und ungünstige wirtschaftliche und politische Voraussetzungen zu einem Rückgang der Erträge. Mit der Gründung der "Sächsischen Weinbaugesellschaft" im Jahr 1799 lebte der Weinbau wieder auf; 1811 folgte die Einrichtung der ersten europäischen Winzerschule. Um 1840 gab es in Sachsen etwa 1636 Hektar Weinbaufläche an 159 Orten. Schwer zu schaffen machte den Winzern das Auftreten der Reblaus, die in den folgenden Jahren große Teile der Ernte vernichtete. Gleichzeitig wurden Weinbergflächen als Bauland und für landwirtschaftliche Zwecke verkauft, so daß der Weinbau in Sachsen nach der Jahrhundertwende fast gänzlich zum Erliegen kam. Erst ab 1955 begann die Wiederaufrebung am Elbufer, die auch die terassierten Steillagen nutzte. Nach der Wende erlebte das sächsische Weingebiet einen neuen Aufschwung. Zahlreiche Weingüter entstanden neu oder wurden wiedereröffnet und die Auswahl und Qualität der Weine konnte erheblich gesteigert werden.


        Vielfalt der Rebsorten

Den größten Anteil der sächsischen Rebsorten hat mit 19,9% der Müller-Thurgau. 1882 wurde diese Rebsorte von Prof. Hermann Müller (der sich selbst nach seinem Geburtskanton Müller-Thurgau nannte) gezüchtet. Es wurde lange angenommen, daß die neue Rebe aus Silvaner und Riesling entstand (daher auch der Name Rivaner). Erst 1998 konnte in gentechnischen Tests festgestellt werden, daß Riesling und Madeleine Royal die Elternsorten sind. Die Rebe wurde 1913 in Deutschland eingeführt und 1960 zugelassen. Mittlerweile gilt sie als eine der erfolgreichsten Neuzüchtungen der Welt. Die ertragreiche Sorte gedeiht am besten auf nährstoffreichen Böden in kühlen Lagen. Der leichte, frische Wein zeichnet sich durch seine Milde und eine dezente Muskatnote aus. Er sollte möglichst jung getrunken werden und hat eine Lagerfähigkeit von bis zu 3 Jahren. Der Riesling macht etwa 15,1% des sächsischen Weinertrags aus. Die edle Rebsorte wurde vermutlich erstmals vom römischen Schriftsteller Plinius (123-79 n. Chr.) beschrieben; König Ludwig der Deutsche (843-876) ließ sie am Rhein anpflanzen. Der Name Riesling ist seit 1430 bekannt und die Rebsorte ist seit 1956 in Deutschland zugelassen. Die anpassungsfähige Rebe produziert Trauben, aus deren Saft Spitzenweine gekeltert werde. Diese reichen in der Farbe von blassgelb-grün bis zum dunklen Goldgelb. Sie sind fruchtig und zeichnen sich durch eine extreme Langlebigkeit von 20 bis 30 Jahren aus. Es sind sogar zwei Fälle verzeichnet, in denen ein jeweils 186 und 421 Jahre alter Riesling genossen und als ausgezeichnet befunden wurden. Die Weine sind generell trocken oder halbtrocken, werden aber auch zur Herstellung von Dessertweinen verwendet. Die Säure des Rieslings gilt allgemein als Qualitätsmerkmal.
Die Sorten Weiß- und Grauburgunder machen 12,7 bzw. 8,7% des sächsischen Weinbaus aus. Grauburgunder (auch Pinot gris, Pinot grigio) entstand im 12. Jahrhundert in Burgund aus dem blauen Burgunder. In Anlehnung an den Kaufmann Ruland, der ab 1711 den Anstoß für die Verbreitung dieser Weine in Deutschland gab, werden besonders die kräftigen Sorten nach wie vor als Ruländer bezeichnet. Der vollmundige, frische Grauburgunder zählt zu den besten Weinen der Region. Der Weißburgunder (Pinot blanc), ein neutraler, weicher Weißwein, entstand aus dem Ruländer und ist in Deutschland seit 1960 zugelassen.
Der Spätburgunder (Pinot noir) ist eine der ältesten Kulturreben und wurde in Burgund ab dem 4. Jahrhundert angebaut. Sein Ursprung liegt wahrscheinlich im Niltal. Die Rebe ist seit 1956 in Deutschland zugelassen und ist heute weltweit verbreitet. Die Weine sind von hoher Qualität und zeichnen sich durch ihre hellrote Farbe und ein herbes Aroma mit fruchtigem Bouquet aus. Die roten Trauben lassen sich auch weiß keltern, indem sie nur gepreßt und kurz angegoren werden. Der Rotwein bekommt seine Farbe aus der Schale, mit der er vor der Preßung mehrere Tage lang vergoren wird. Spätburgunder macht etwa 7,6 % des sächsischen Weinbaus aus.
Traminer (auch Gewürztraminer) wird seit 1500 Jahren in Deutschland angebaut. Er macht etwa 6,9% des sächsischen Weinbaus aus. Die Herkunft des Traminers ist nicht geklärt, wird aber in Griechenland vermutet. Als Namensgeber diente im 12. Jahrhundert die Stadt Tramin in Südtirol. Die Rebe produziert Spitzenweine, stellt aber allerhöchste Ansprüche an die Lage und bringt unsichere und geringe Erträge. Der Wein zeichnet sich durch ein intensives Aroma und viel Körper aus und ist weich und samtig im Bouquet. Der Geschmack kann je nach Boden und Klon stark variieren.
Dornfelder macht etwa 4,9% der sächsischen Reben aus. Diese Rebe wurde 1955 aus Helfensteiner und Heroldrebe gezüchtet und ist seit 1980 in Deutschland zugelassen. Mittlerweile erfreut sich der Wein großer Beliebtheit und gilt als eine der bekanntesten Neuzüchtungen. Der Name geht auf Immanuel A.L. Dornfeld, den Initiator einer württembergischen Weinbauschule, zurück. Der körper- und tanninreiche Wein hat eine kräftige, dunkelrote Farbe und ein fruchtiges Bouquet. Er eignet sich für den Barrique-Ausbau und wird außerdem zur Sektherstellung eingesetzt.


        Ausflugsziel Elbtal

Die 1992 eingeweihte Sächsische Weinstraße erstreckt sich von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz. Interessanterweise fand bereits im 12. Jahrhundert eine von Pirna über Meißen bis Wittenberg reichende Weinstraße Erwähnung durch einen Altzellaer Zisterziensermönch. Die Straße durch das kleinste Weinbaugebiet Deutschlands könnte also durchaus eine der ältesten Weinstraßen überhaupt sein.
Im Oktober 1994 wurde außerdem der Sächsische Weinwanderweg eingeweiht. Entlang der Elbe führt er auf insgesamt 90 Kilometern zu den Weinbergen der Region und verbindet Aussichtspunkte und zahlreiche Weingüter. Der Weg kann in 8 Etappen erwandert werden.

Maria Heyne

Quelle: Weinbauverband Sachsen e.V.