Immer Frühling in Plagwitz

Miteinander im Kulturcafé Sidibu

Bild: © Erik Tenzler

Das Kulturcafé Sidibu ist Begegnungsstätte für Kunst, Kultur und Sprache. Mit seinem Namen erinnert es an die Wiege des Arabi- schen Frühlings und setzt sich für eine Welt des Miteinander ein.

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Draußen rattert die Straßenbahn durch die Zschochersche Straße und verschwommene Passant_innen schlagen gegen den Wind ihre Kragen hoch. Drinnen erleuchten Wandlampen und Kerzen das kleine Kulturcafé „Sidibu“. Die Getränke sind angenehm bezahlbar, zuweilen gibt es leckeres Essen nach alter nordafrikanischer Rezeptur, das Radio spielt Bob Dylan und in der Ecke sitzt der Besitzer, Facher Ayadi, und raucht. Er ist ein Leipziger Urgestein und das sieht man ihm auch an. 1996 musste Facher vor der politischen Repression in seiner Heimatstadt Jendouba im Nordwesten von Tunesien flüchten und kam über die Umwege der deutschen Asylpolitik schließlich nach Leipzig. Hier verbrachte er die ersten Jahre im „B12“, einem Projekthaus in der Braustraße 20 (Südvorstadt), das auch heute noch ein alternatives

Wohn- und Kulturprojekt beherbergt. Bei den kulturellen Veranstaltungen im „B12“ fing Facher an, hinter der Bar zu arbeiten, und im Laufe der Jahre reifte in ihm die Idee eines eigenen Ortes, der zugleich Café und Begegnungsstätte für Kunst, Kultur und Sprache sein sollte. 2010, als er gerade seinem Bussiness-Plan den letzten Schliff verpasste, brach in Sidi Bouzid, 300 km von seiner Heimatstadt Jendouba entfernt, eine Revolution aus, die bald auf ganz Tunesien und viele andere Länder im arabischen Raum übergreifen sollte. Mit dem Namen „Sidibu“ erinnert Fachers Kulturcafé heute an die Wiege des Arabischen Frühlings und setzt sich mit seinen Kulturveranstaltungen ebenso für eine Welt des Miteinanders ein, wie sie in Tunesien im Begriff ist, zu entstehen. Ob Lesung, Konzert, Jam-Session oder einfach nur ein ruhiges Bier – es ist für alle was dabei. Also unbedingt mal hierher verirren!

Erst in den späten Abendstunden öffnet das Kulturcafé Sidibu seine Pforten.

Bild: © Erik Tenzler

von Erik Tenzler

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