Leipzig sieht schwarz

Wave Gotik Treffen

Bild: Jennifer Hoffert

Einmal im Jahr wird es düster in Leipzig. Seit 26 Jahren tingeln zu Pfingsten tausende Anhänger der Gotik-Szene in die Messestadt. Doch nicht nur für die Gleichgesinnten ist dieses Event einmalig. Auch für Leipziger und andere Neugierige gibt es allerhand zu staunen: Knapp Bekleidete, riesige Tattoos, Engelsflügel, Hörner oder Gesichtsmasken gehören beim Wave Gotik Treffen dazu.

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Vom 18. bis 21. Juni steht Leipzig ganz im Zeichen des Wave Gotik Treffens. In über 50 Veranstaltungsstätten finden Konzerte, Führungen, Lesungen, Vorstellungen, Filme und Treffen für über 20 000 Gäste statt. 

Die Gothic-Szene versammelt sich in Leipzig zu einer Art „Familientreffen“, zu dem es sich in den letzten 26 Jahren entwickelt hat. Das Wave Gotik Treffen (WGT) ist weltweit einmalig. Musikalisch ist dabei für alle Spielarten der schwarzen Szene etwas dabei: von Future-Pop über Goth Metal bis hin zu eher mittelalterlichen Klängen. Die Künstler spielen auf vielen Bühnen von Freitag bis Montag für ihre Fans. Das Gewandhaus, der  Kohlrabizirkus, die Moritzbastei, Passage Kinos, das Stadtbad und die Thomaskirche sind nur einige der Orte, an denen die Veranstaltungen stattfinden. 

Musik ist längst nicht alles, was das WGT zu bieten hat. Es gibt das „Heidnische Dorf“, einen romantischen Mittelaltermarkt, zu dem man auch mit separaten Tageskarten Zutritt hat, und wo selbst Kinder Spaß haben können. Auch Lesungen, Ausstellungen, Theater und Filmaufführungen sind Teil des Programms. In historischer Gewandung versammelt man sich zu einem Viktorianischen Picknick im Park. Ein riesiger Gothic-Markt bietet so ziemlich alles, was das Szeneherz begehrt. In unzähligen Klubs laden internationale Szene-DJs bis zum Morgengrauen zum Tanzen ein. Bei der beliebten Fetischparty des Treffens feiert man sehr freizügig, hier wird beim Einlaß streng auf entsprechend angemessene Kleidung geachtet. 

 

Das WGT im BeuteltierArt

Wo, wie, was - im Trubel des Wave Gotik Treffens noch einen Überblick über die coolsten Veranstaltungen zu behalten, ist gar nicht zu einfach. Wie wäre es denn mit einem Besuch im BeuteltierArt auf der Könneritzstraße? In der außergewöhnlichen Galerie gibt es zu Pfingsten beispielsweise eine Sonderausstellung zum WGT. Unter dem Titel „Das kleine Volk“ gibt es Bilder von Luci van Org, Ben Swerk und Holger Much. Die drei haben sich mit Stift, Pinsel, Farbe und dem Blick für die kleinen Wesen in den Schatten aufgemacht, ein klein wenig vom Zauber jener verborgenen Welt hinter der Schwarzdornhecke einzufangen. 

Mehr Informationen gibt es online unter beuteltier-art.d

DarXity gehört auf die Bucket-List für Gothic-Fans

Das DarXity ist nicht nur während des Wave Gotik Treffens ein Anlaufpunkt für die schwarze Szene. Im Ranstädter Steinweg 5 wartet auf 150 Quadratmetern bereits seit zehn Jahren alles, was das Gothic-Herz begehrt: „Unser Angebot reicht von klassischen Gothic Outfits, auch im Bondage-Style, EBM Design und Retro-Goth Look bis hin zu pompösen viktorianischen Kleidern und Anzügen“, fasst Inhaber Ronny das Angebot zusammen. Auch bei der Suche nach Accessoires, Schmuck und Dekorationen für das Gothic-Zuhause werden Kunden fündig.

 

Was DarXity seit zehn Jahren so erfolgreich macht? Darauf hat Ronny eine Antwort. „Das wichtigste für unseren Erfolg ist vermutlich unsere eigene Begeisterung für alles, was schwarz ist.“ Und das ist noch nicht alles: Den Erfolg haben wir natürlich auch unseren Kunden zu verdanken, die uns in den Jahren immer wieder mit ihren Ideen und manchmal sehr außergewöhnlichen Wünschen inspiriert haben.“ Das war nicht immer leicht, erinnert er sich: „Die Wünsche und Ideen unserer Kunden haben wir versucht umzusetzen und wenn wir hierfür keine Quelle gefunden haben, sind wir auf die Hersteller zugegangen. Wir haben dann versucht, diese gemeinsam mit ihnen zu verwirklichen. In einigen Fällen war die Zusammenarbeit sehr erfolgreich.“

 

Ronny und sein DarXity-Partner John haben klare Vorstellungen für ihr Business: „Wir achten streng darauf, dass wir unser Sortiment im Gothic Bereich bewahren und trotzdem aktuelle schwarze Trends bedienen können.“ Und das machen sie mit Leib und Seele: “Da wir die schwarze Szene selbst leben, endet unser Alltag nicht mit Ladenschluss. Oft sind wir in unserer Freizeit mit Begeisterung auf der Suche nach neuen Marken und Outfits.“ 

 

Musikfans kommen voll auf ihre Kosten

Was wäre das WGT ohne Musik? Neben bekannten Szenebands hält das Event für Gothic-Fans etliche musikalische Perlen bereit, deren Namen vielleicht nicht jedem bekannt sind, die aber dennoch oder gerade deshalb nicht alltägliche Konzerterlebnisse versprechen. Es lohnt sich also, das Programm vorab genauer anzuschauen und hier und da mal reinzuhören.

Ein beliebte Möglichkeit, auch ohne WGT-Gesamtkarte etwas von der besonderen Atmosphäre des Treffens mitzubekommen, ist dabei das Mittelalterspektakel „Celebrant“ mit dem „Wonnemond“ auf dem Dach der Moritzbastei und dem Heidnischen Dorf am Torhaus Dölitz täglich ab 11 Uhr. 

In Letzterem treten auf zwei Bühnen rund 30 internationale Musikgruppen auf und auch Ritter, Wikinger, Gaukler, Fakire, Artisten zeigen ihre Künste. Mit dabei ist beispielsweise die Band Qntal. Die Band, die bereits 1992 gegründet wurde, schafft eine Verbindung von Mittelaltermusik mit Electro-Klängen. „Die Idee, die bei der Gründung von Qntal Pate stand, war eine Mischung aus mittelalterlicher und elektronischer Musik zu schaffen, und das zu einer Zeit, in der dem Publikum Mittelaltermusik völlig unbekannt war“, beschreiben die Bandmitglieder und fügen hinzu: „Als zentraler Gedanke gilt nach wie vor die Freude, sich von alten Texten in allen möglichen Sprachen musikalisch inspirieren zu lassen, immer wieder neue Lösungen zu finden und gleichzeitig abwechslungsreich, anspruchsvoll und eingängig zu klingen“. Alle Mitglieder der Band sind übrigens studierte Musiker. 

Zu sehen ist Qntal beim WGT im Heidnischen Dorf beim romantischen Nachtkopnzert am WGT-Samstag um 21.30 Uhr.

von Pia Maack

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