SAFI spielen im Ilses Erika

„Komm rum, guckst dir selbst an, hier ist alles drin.“ - SAFIS multiple Klangbildhauerei darf alles

Bild: © SAFI

Das Trio aus Leipzig und Berlin versteht sich als Perfomer, als Klangbildhauer, als Musiklaboranten. Dass ihr neues Album eine multiple Form angenommen hat, hat auch ein großes Label erkannt. SAFIS Reise ist längst noch nicht vorbei.

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Bild: © SAFI

 

Genreübergreifend, mehrschichtig, mehrgesichtig. Was noch mit den Klanglaboranten der Formation SAFI assoziiert werden kann, das wird jeder selbst herausfinden müssen. Safi, Matthias, und Frank hingegen wissen inzwischen genau, wo sie beheimatet sind: Leipzig und Berlin. Ihr Label PIAS, bei dem u.a. die Editors, Faith No More u.v.m. sind, ist in Hamburg. Es war Liebe auf den zweiten Blick von Seiten des Labels, aber dafür heute mit eindeutigem Statement. Ihre musikalische Reise? So wie es Schlagzeuger Frank umschreibt: „Manchmal spürt man, da muss man jetzt hin, wie kommen wir dahin?“ Für die stark künstlerisch-visuell geprägte Sängerin Safi sei das collagige Arbeiten zentral. Thematisch wolle sie die Stimmungen und Spannungen durch assoziative Netze umschreiben, den Leuten sagen können: „Wir haben die Musik für dein Gefühl“. Vollkommen ist ein Lied erst dann, wenn es den safischen Qualitätsansprüchen entspricht. Da beißt man sich schon mal im Proberaum die Zähne aus, sitzt zwei Stunden bis ein Beckenschlag passt, zählt die Takte, Rhythmen und feilt an der Klavier-Hookline. Aber vielleicht reichen auch schon zwei Kriterien aus, um sich festzulegen: „Ein Lied ist geil oder nicht geil“. Da kann ein Lied schon mal drei Jahre liegen oder erst nach der 42.Version final sein. Dass SAFI das Album „Janus“ in Berlin im ehemaligen Funkhaus der DDR in der Nalepastraße in einem „Schaltraum“ aufgenommen haben, trägt dazu bei, dass sie diese besondere Energie einfangen konnten. Dort habe man eine nonverbale Live-Situation erleben dürfen. SAFI sind Performer mit Haltung. Spontane Songs gebe es sicher auch wie der Titel „Weg“ aus dem neuen Album. Es gehe auf keinen Fall darum, Musik zu machen, die niemand versteht. Aber muss Musik oder Kunst überhaupt einen einfachen Zugang leisten? Die Antwort bleibt jedem Einzelnen überlassen. Wer sich in die leise und laute Musik SAFIs reinhört, muss damit rechnen, dass er von seinen gewohnten Hörgebräuchen weggeführt wird. Einen Teil trägt auch die Safis Stimme bei. Rau, bestimmt und an manchen Stellen einzigartig sirenenhaft. Vergleiche ziehen, bitte nicht, das kann nur schiefgehen. Daran ist schon der eine oder andere Musikredakteur gescheitert. 

 

Bild: © SAFI

Zweifelsohne lässt Safi mit ihrem Gesang genug Raum für neue Ansätze, an jeder Ecke, an jeder Stelle. Empfehlung für die richtige Lautstärke, wie SAFIS Musik zu hören ist? Über die Konzertlautstärke sei es am Besten, wenn der Klang über den Boden die Schallmauer durchdringt und man den Bass spürt. Dass das passiert, das ist durchaus möglich. Treue Anhänger ihrer Konzerte hätten den aufgebauten Energiekreis schon gespürt, erzählen sie. Eine Energiewolke, die von der Band ausgeht und nach vorne ausgestrahlt wird. Der Zustand in einer Glasglocke. Doch keine Sorge, das Punkige mehr steckt in den Einsätzen, die Konzerte hingegen seien sehr atmosphärisch und aufgeräumt. Wenn das letzte Lied abklingt, bleibt eine Gratwanderung zwischen Schall und Rauch, eine Gratwanderung zwischen den Emotionen zurück. Die Aufforderung ist dennoch klar: „Komm rum, guckst dir selbst an. Es ist alles drin.“ Willkürlich gewählt ist eben auch der Albumtitel: „Janus“, ein aus der römischen Mythologie entstammter Gott, gilt ursprünglich als Symbol der Zwiespältigkeit. Aber auch alte Götter brauchen mal eine neue Darstellung: Und die findet sich eben in der multiplen Klangbildhauerei von SAFI.

 

Veröffentlichung des neuen SAFI-Albums „Janus“ ist am Freitag, den 26.06. beim Label PIAS Recordings. SAFI spielen am Fr., den 26.06. in der ILSE ERIKA. Zum Verlosen gibt es ein 1mal2 Gästelisteplätze.



von Trang Đặng

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